Aufbruch - Kapitel 8 - Entscheidung
Shownotes
Am 13. September 2067 sollen Ana und ihre vier Kollegen eine lebensverändernde Entscheidung treffen. Nehmen sie das Angebot der Stiftung an?
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00:00:01: Kapitel VIII.
00:00:02: Entscheidung, XIII.
00:00:04: September two-tausend siebenundsechzig Der Tag der Wahrheit war gekommen – ein Datum an dem Anna und ihre vier Kollegen unausweichlich über ihren weiteren Aufenthalt entscheiden mussten.
00:00:16: Jeffrey hatte Asok Kuma Makiko Takisama Lin Wang Ludwig Berger Und Anna in sein Büro geladen Einen Raum der in seiner Kagenfunktionalität und Schmucklosigkeit das unerbittliche Wesen dieser Unterwelt aus Eis-und Stahl perfekt widerspiegelte.
00:00:32: Anna hatte die vergangenen zwei Tage in einem fast ununterbrochenen, intensiven Dialog mit Demeter verbracht – getrieben von dem brennenden Verlangen, die Logik hinter dem Unfassbaren zu begreifen.
00:00:44: Zuerst hatte sie die Superintelligenz mit der Frage bedrängt, wie sie zu dem Schluss gekommen war, dass Ika Pegasi unausweichlich zur Supernova werden
00:00:53: würde.".
00:00:53: Doch die Antwort war ebenso ernüchternd wie frustrierend gewesen.
00:00:57: Ohne die Beherrschung der Fünf-D-Mathematik, so erklärte Demeter mit ungerührter Sachlichkeit könne sie die physikalischen Zusammenhänge nicht verständlich machen – zudem sei es ihr durch strikte Protokolle untersagt, tiefergehende Details zu offenbaren.
00:01:13: Annas Versuche mehr über die rätselhafte Physik der Ortes zu erfahren endeten an derselben unsichtbaren Mauer aus Verboten da Demeter unerschütterlich darauf beharte dass ihre Programmierung eine Auskunft nur gegenüber einem bevollmächtigten Vertreter einer Weltregierung gestatte.
00:01:29: Diese strikte Informationssperre beschränkte sich keineswegs nur auf die Naturwissenschaften, sondern umfasste ebenso die Kunst, die Musik und die Literatur – kurzum das gesamte kulturelle Erbe einer längst untergegangenen Zivilisation.
00:01:44: Lediglich jene wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche die Menschheit voraussichtlich innerhalb der kommenden drei Jahrzehnte aus eigener Kraft entdecken würde dürfte die Superintelligenz in einem streng begrenzten Maße vorwegnemen.
00:01:57: Inmitten dieser zehn Gespräche hatte Anna erfahren, dass dieser lautlose Wissenstransfer zwischen Demeter und der Stiftung bereits seit Jahrzehnten im Verborgenen existierte.
00:02:08: Erfahrene Wissenschaftler des Roten Kreises hatten die kryptischen Datenströme mühsam aufbereitet um daraus Patente anzumelden und lukrative Lizenzen zu verkaufen sodass ein beträchtlicher Teil des immensen Vermögens der Organisation direkt aus diesen Erlösen gespeist wurde.
00:02:25: Zusätzlich hatte Demeter mit der Präzision ihrer überlegenen Rechenkapazität an den internationalen Börsen spekuliert und dabei die astronomische Summe von zwölf Billionen Dollar angehäuft.
00:02:36: Diese unvorstellbaren Gewinne waren geschickt auf einen Geflecht, aus Strohmännern und Firmen im Besitz der Stiftung verteilt worden sodass keine Börsenaufsicht der Welt jemals die genialen Manipulationen bemerkt hatte.
00:02:49: Die schiere Vorstellung, dass Demeters Wissen bereits seit Jahren wie ein lautloses Gift in die irdische Technik einsickerte – ohne das auch nur eine Seele die wahre Quelle kannte, ließ Anna für einen Moment schwindelig werden!
00:03:02: Nun meine Damen und Herren, wie haben sie entschieden?
00:03:05: fragte Jeffrey ohne jede einleitende Floskel, während er die Hände mit einer beunruhigenden Ruhe auf der glatten kühlen Tischplatte faltete.
00:03:14: Die fünf eingeladenen blickten sich an und in ihren Augen spiegelte sich dieselbe komplexe Mischung aus fassungsloser Überwältigung, brennender Neugier-und einer mühsam errungenen Entschlossenheit.
00:03:26: Anna ergriff schließlich als Erste das Wort wobei ihre Stimme in der Stille des Raumes deutlich fester klang Als sie sich im Inneren ihres aufgewühlten Herzens fühlte, ich nehme ihr Angebot an Herr Carlsen.
00:03:38: Einer nach dem anderen folgten Sie Ihrem Beispiel und gaben Ihre Zustimmung.
00:03:43: Ludwig bekräftigte seine Entscheidung mit einem entschlossenen Nicken Makiko tat es mit einem tiefen befreienden Atemzukund Azog flüsterte ein leises fast ehrfürchtiges Jahr Und Linn verharte in einem stummen Nicken Wobei sie den Blick starb Auf die sterile glanzlose Tischoberfläche gerichtet hielt.
00:04:01: Danke!
00:04:02: Das freut mich sehr, erwiderte Jeffrey mit einer Sachlichkeit die keinen Raum für Emotionen ließ da er offenbar ohnehin fest mit diesem Ausgang gerechnet hatte.
00:04:12: Sein Gesicht blieb eine unbewegte Maske ,die weder Überraschung noch Triumph verriet sondern lediglich den Anschein einer müden fast resignierten Genugtuung erweckte.
00:04:22: Wie sie vielleicht schon aus den bisherigen Gesprächen entnommen haben versteht sich die Vollversammlung als das provisorische Parlament einer noch nicht geeinten Menschheit.
00:04:32: Es entspricht unserer Tradition, dass neue Mitglieder feierlich – als Abgeordnete angelobt werden, wobei der Eid bewusst einfach und klar formuliert ist «Ich schwöre, daß ich all meine Kraft zum Wohle der Menschheit einsetzen werde».
00:04:47: Morgen um fünfzehn Uhr wird diese Angelobung im großen Hörsaal stattfinden, Er legte eine kurze Pause ein und ließ seinen prüfenden Blick langsam über die Runde schweifen, bevor er fortfuhr.
00:05:03: Unmittelbar danach werden wir die Beratungen über die bevorstehende Expedition nach IK Pegasi aufnehmen und mehrere spezialisierte Arbeitsgruppen einrichten.
00:05:12: Wir benötigen eine Gruppe zur umfassenden Information der Weltbevölkerung Eine Zur Vorbereitung einer globalen Volksabstimmung Und eine weitere zur Ausarbeitung einer rechtskräftigen Verfassung.
00:05:24: Der Plan mag in der Theorie simpel klingen, doch seine praktische Umsetzung wird von beispielloser Schwierigkeit sein.
00:05:31: Zuerst müssen wir informieren – dann wird die Menschheit über eine gemeinsame Verfassung abstimmen und im Anschluss daran wählen wir ein rechtmäßiges Parlament!
00:05:40: Sobald die erste wahrhaft terranische Regierung offiziell angelobt ist, können wir endlich in den verdienten Ruhestand gehen.
00:05:48: Für einen flüchtigen Moment huschte ein schwaches Lächeln Als er diese letzten Worte aussprach, gerade so als wäre er sich der absurden Tragikomik bewusst in dieser existenziellen Situation überhaupt an so etwas wie einen Ruhestand zu denken.
00:06:05: Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen!
00:06:08: Übermorgen beginnt für sie bereits eine intensive Grundlagenschulung die sie umfassend auf ihre künftigen verantwortungsvollen Aufgaben vorbereiten soll.
00:06:17: Die Angelobung am darauf folgenden Tag gestaltete sich aber dennoch zutiefst feierliche Zeremonie, die unter der weit geöffneten Kuppel stattfand.
00:06:28: Während der Riesenplanet Jupiter als Stummer gewaltiger Zeuge am schwarzen Firmament hing sprachen die fünf Neuankömmlinge nacheinander ihren Eid.
00:06:37: Annas Stimme zitterte dabei merklich vor innerer Bewegung doch tief in ihrem Inneren spürte sie eine völlig unerwartete klare Gewissheit und eine wachsende Vorfreude auf das was kommen würde.
00:06:49: Anschließend begann die erste große Diskussion zur geplanten Expedition nach Ika Pegasi, wobei die fundamentale Frage ob dieses gefährliche Vorhaben überhaupt stattfinden sollte rasch und ohne Zögern geklärt wurde.
00:07:02: Das Votum der Versammelten fiel einstimmig aus Und Anna bemerkte mit großer Erleichterung dass die Abstimmung geheim durchgeführt wurde so das jedes Mitglied völlig frei entscheiden konnte ohne dem subtilen Druck eines Gruppenzwangs nachgeben zu müssen.
00:07:17: Jeffrey berichtete in seinem gewohnt sachlichen Tonfall.
00:07:21: Die Superintelligenz Demeter stellt uns für dieses Vorhaben ein Forschungsschiff zur Verfügung, das über einen beeindruckenden Aktionsradius von ein tausend Lichtjahren verfügt.
00:07:32: Sobald diese Grenze erreicht ist, deaktiviert sich das Überlichttriebwerk automatisch – da sie offenbar mit aller Macht verhindern will, dass wir mit dieser Technologie Unfug treiben!
00:07:43: Während der gesamten Dauer der Expedition liegt das operative Kommando allein bei uns Menschen.
00:07:48: Die ausgewählte Besatzung wird umgehend geschult, sodass wir in etwa sechs Monaten aufbrechen können.
00:07:54: Über die zugrunde liegende Technologie des Raumschiffs werden wir jedoch leider keinerlei Informationen erhalten.
00:08:02: Wir werden in der Lage sein, dass Schiff zu bedienen vergleichbar mit jemandem, der zwar einen Führerschein besitzt Aber von der komplexen Mechanik des Motors absolut nichts versteht.
00:08:13: In der Regel wird ohnehin der hochmoderne Bordcomputer die gesamte Steuerung übernehmen.
00:08:19: Er hielt inne, suchte den direkten Augenkontakt zu seinen Zuhörern und musterte ihre Reaktionen mit kühler Präzision.
00:08:27: Die Crew wird aus drei Personen bestehen – Julia Andretti als leitende Ingenieurin, Ken Morgan als erfahrener Pilot.
00:08:38: Gibt es zu diesem Vorschlag irgendwelche Gegenvorschläge?
00:08:43: Niemand meldete sich zur Wort.
00:08:45: Die anschließende Abstimmung bestätigte die personelle Auswahl schließlich bei lediglich drei Enthaltungen.
00:08:52: Anna fühlte sich bei der Nennung ihres Namens, als hätte sie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen.
00:08:59: Ihr Herz machte einen gewaltigen Satz und begann dann in einem wilden unkontrollierten Rhythmus zuschlagen.
00:09:06: Habe ich das richtig gehört?
00:09:08: Das vollkommene Greenhorn auf diesem Gebiet soll tatsächlich an der größten und bedeutendsten Expedition der gesamten Menschheitsgeschichte teilnehmen?
00:09:18: Warum fällt die Wahl ausgerechnet auf mich?
00:09:21: Diese Fragen jagten wie elektrische Schläge durch ihren Kopf, untrennbar vermischt mit einem überwältigenden Gefühl von euphorischem Schrecken.
00:09:30: Ein unglaubiges – fast schon maskenhaftes Lächeln breitete sich langsam auf ihrem Gesicht Während sie sich plötzlich wie ein Teenager vor dem allerersten Deed fühlte, aufgeregt, tief verunsichert und zugleich von einem grenzenlosen Glück erfüllt.
00:09:45: Anna reistig um Himmels Willen zusammen, mahnte sie sich in einem verzweifelten inneren Monologue und versuchte mit aller Kraft ihre leicht zitternden Hände ruhig in den Schoß zu legen.
00:09:56: Neben ihr beugte sich Makiko zu ihr herüber und flüsterte leise – ich freue mich für dich, Anna!
00:10:03: Auch Azhok nickte ihr bestärkend zu und schenkte ihr ein seltenes, fast schon schüchternes Lächeln der Anerkennung.
00:10:10: Plötzlich sprang ein etwa dreißigjähriger Mann von seinem Platz auf und rief mit einer Begeisterung die den ganzen Raum erfüllte – Juhu!
00:10:19: Wahnsinn ich bin tatsächlich dabei.
00:10:22: Seine ungefilterte Lebensfreude wirkte in der ernsten Atmosphäre so ansteckend dass mehrere Leute im Saal unwillkürlich lachen mussten.
00:10:31: Im selben Moment wurde er von einer Frau stürmisch umarmt, die mit funkelnden Augen triumphierend ausrief – ich auch.
00:10:38: Anna eilte auf die beiden zu und gratulierte ihnen herzlich, obwohl sie sich noch immer wie betäubt von der plötzlichen Wendung ihres Schicksals fühlte.
00:10:47: Julia, die Ingenieuren, fiel ihr spontan um den Hals, während Ken, der Pilot, sich mit einem schelmischen Grinsen leicht vor ihr verbeugte.
00:10:56: Darf ich Sie zur Feier des Tages küssen?
00:10:59: Noch bevor Anna auch nur den Hauch einer Antwort formulieren konnte, hatte er ihr bereits einen flüchtigen kameradschaftlichen Kuss auf die Wange gedrückt.
00:11:08: Dessen Unbekümmertheit in dieser sterilen Umgebung seltsam erfrischend wirkte.
00:11:13: Jeffrey beobachtete diese Szene aus einer gewissen Distanz mit einem wohlwollenden Schmunzeln.
00:11:19: So jung und unbeschwert wäre ich gern noch einmal, dachte er bei sich – und für einen kurzen Augenblick glitt eine verräterische Spur von Wehmut über seine Züge!
00:11:29: Nach einer Weile reusperte er sich jedoch vernehmlich und augenblicklich kehrte die Stille in die große Halle zurück.
00:11:36: Aufgrund ihrer spontanen Reaktion darf ich wohl annehmen, dass sie mit dieser Zuteilung einverstanden
00:11:42: sind.".
00:11:43: Ein dreifaches aus vollem Kehlen gerufenes Jahr schalte ihm als Antwort entgegen woraufhin die drei dennoch der Form halber einzeln befragt wurden was ihre formelle Zustimmung endgültig bekräftig.
00:11:56: Danach erläuterte Jeffrey die nächsten Schritte des Vorhabens.
00:12:00: Am Ziel unserer Reise angekommen, werden wir sämtliche verfügbaren Daten zur drohenden Supernova akribisch speichern.
00:12:07: Zusätzlich werden wir eigene irdische Messgeräte mitführen – was wir als ein besonderes Geschenk an die Astronomen auf der Erde betrachten!
00:12:16: Frau Turei Sie werden uns in dieser Angelegenheit beraten zur Seite stehen und festlegen welche spezifischen Instrumente wir für diese Mission benötigen.
00:12:26: Anna nickte Eifrich, während ihre Gedanken bereits zu komplexen Spektrografen hochempfindlichen Neutrinodetektoren und speziellen Langzeitbelichtungskameras abschweiften.
00:12:37: Die einmalige Chance mit beiden Technologien der vertrauten irdischen und der mysteriösen orthesischen gleichzeitig zu arbeiten ließ ihr forcherisches Herz in einer Weise hörschlagen die sie kaum für möglich gehalten hätte.
00:12:51: Nach einer kurzen Unterbrechung, in der Wasserflaschen mit einem leisen Zischen geöffnet und hastig hingeworfenen Notizen verglichen wurden ging die Versammlung zur hitzigen Frage über wie die gesamte Menschheit über die bevorstehende Katastrophe informiert werden sollte.
00:13:06: Die Debatte gewann rasch an Schärfe da die Beweise absolut unwiderlegbar sein mussten während man gleichzeitig alles daran setzen wollte eine weltweite Panik zu vermeiden.
00:13:17: Dass es dennoch Fanatiker geben würde, stand außer Frage.
00:13:21: Anna erinnerte sich wehmütig an die absurden Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung von Apollo Elf – die selbst nach einem vollen Jahrhundert noch immer nicht ganz verstummt waren.
00:13:31: Schließlich legte die Vollversammlung nach stundenlangem Ringen einen äußerst ehrgeizigen Zeitplan fest.
00:13:38: Bis zum einund dreißigsten Oktober two-tausendneunundsechzig Umfassende Information der gesamten Menschheit über Ghanimet die Superintelligenz-Demeter, die Kultur der Ortes und die drohende Supernova.
00:13:50: Bis zum einunddreißigsten Dezember zweitausendseinundsiebzig Erarbeitung und Vorliegen eines detaillierten Verfassungsentwurfs für ein neues, terranisches Staatsgebilde.
00:14:01: bis zum einun dreißigston december zweitausendfünfundsiedzig Durchführung einer weltweiten demokratischen Abstimmung über diese neue Verfassung offizielle Wahl und feierliche Angelobung einer ersten terranischen Regierung unter der Voraussetzung, dass die Verfassung vom Volk angenommen wurde.
00:14:23: Die Besetzung der verschiedenen Arbeitsgruppen wurde im Anschluss teils mit einer Heftigkeit diskutiert, die an die Grenzen der Sachlichkeit stieß – da es hinter den Kulissen sichtlich um Kompetenzen-, politischen Einfluss- und handfeste Interessen ging.
00:14:37: Zwischendurch flogen immer wieder spitze giftige Bemerkungen durch den Saal.
00:14:42: Ihr wollt doch in Wahrheit nur Posten schachern, rief jemand aufgebracht worauf die prompte Antwort folgte und ihr denkt bei euren Luftschlössern nur an eure unerreichbaren Ideale.
00:14:53: Erst nach mehreren besänftigenden und klugen Eingriff von Jeffrey der die ausufernde Debatte mit seiner ruhigen natürlichen Autorität lenkte fanden sich schließlich stabile Mehrheiten für die anstehenden Aufgaben.
00:15:06: Gegen einundzwanzig Uhr endete – Die Sitzung endlich!
00:15:10: Die Luft im Saal war verbraucht und schwer, und die Gesichter der Anwesenden waren gezeichnet von der geistigen und körperlichen Müdigkeit dieses ereignisreichen Tages.
00:15:21: Die fünf neuen Mitglieder erhielten als eine ihrer ersten offiziellen Aufgaben die Anweisung, persönliche Schreiben an ihre Angehörigen zu verfassen – doch Anna graute es davor!
00:15:32: Xiao und Christine so schamlos anzulügen, fiel ihr unsagbar schwer und lastete wie ein Stein auf ihrer Seele….
00:15:39: Seit dem Tod ihres Vaters hatte sie keine nahen Verwandten mehr.
00:15:43: Nur ihre treue Freundin Christine und ihr geliebter Xiao waren ihr in dieser Welt geblieben, Bindungen die ihr heilig waren.
00:15:52: In der Einsamkeit ihres Apartments setzte sie sich schließlich mit einer merklich zitternden Hand an den Schreibtisch ,der ebenso unpersönlich wirkte wie fast alles andere an diesem Ort .
00:16:02: Sie starte eine gefühlte Ewigkeit auf den leeren, leuchtenden Bildschirm während sie spürte, wie sich ein schmerzhafter Kloss in ihrer Kehle bildete.
00:16:12: Schließlich entschied sie sich gegen die Tastatur und für eine handschriftliche Nachricht – in der Hoffnung, dass diese in ihrer Unvollkommenheit persönlicher und damit glaubwürdiger wirken würde.
00:16:23: Doch mit jeder Zeile, die sie zu Papier brachte, fühlte sie sich wie eine Verräterin an jenen, die ihr am nächsten standen!
00:16:30: Mein geliebter Xiao Nun bin ich schon einige Tage nicht mehr an deiner Seite dass ich dich jede Minute schrecklich vermisse.
00:16:40: Nichts von all dem war so geplant und die gesamte Entwicklung hat mich selbst vollkommen überrascht!
00:16:46: Als sich damals zu diesem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, ahnte ich nicht im Geringsten, das die Regierung meine Mitarbeit an einem derart wichtigen nationalen Projekt benötigt.
00:16:57: Es bricht mir das Herz – aber leider darf ich dir aufgrund strengster Geheimhaltungsvorschriften nichts genaueres über meine Tätigkeit
00:17:05: sagen.".
00:17:06: Aber ich werde dir regelmäßig schreiben und ich hoffe inständig, dass wir zumindest ab und zu miteinander telefonieren können.
00:17:13: Das Projekt ist vorerst bis zum einund dreißigsten Oktober zwei tausendneunundsechzig befristet – und ich zähle bereits jetzt die Tage, bis wir uns endlich wieder sehen!
00:17:23: Bitte hab Geduld mit mir und bleib' mir treu so wie ich es dir bin!
00:17:28: Ich verspreche Dir hoch- und heilig kein einziger Tag vergeht an dem ich nicht voller Sehnsucht an Dich denke.
00:17:35: Du bist und bleibst für mich der wichtigste Mensch auf dieser Welt.
00:17:40: Ich werde versuchen, dir mindestens einmal pro Woche eine Nachricht zukommen zu lassen!
00:17:46: In tiefer Liebe – Deine Anna PS.
00:17:49: Meine derzeitige Adresse findest du auf der Rückseite des Kuvers.
00:17:54: Auch an Christine verfasste Anna ähnliche Zeilen die mit denselben schmerzhaften Halbwahrheiten gespickt waren.
00:18:01: Sie versiegelte die Umschläge schließlich sorgfältig mit einem flachen Metallsiegel, das man ihr eigens für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hatte.
00:18:10: Nur ein weiteres kleines Detail in dieser perfekt inszenierten Normalität.
00:18:15: Danach legte sie sich vollkommen erschöpft in ihr Bett, zog die schwere Decke bis über den Kopf und weinte sich leise in den Schlaf –in ihrem inneren hoffnungslos hin-und hergerissen zwischen der Unfassbaren Einmaligen Chance ihres Lebens und dem quälenden Gefühl, die Menschen ,die sie aufrichtig liebte so enttäuschen zu müssen.
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