Gutar Irin - Kapitel 06 - Baschur
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00:00:00: Kapitel VI.
00:00:01: Baschur, Vierundzwanzigster Juli, Achttausend Neunhundert und Acht vor Christi Geburt.
00:00:07: Jahr Dreihundert-Siebenundvierzig Tag Vierhundert Eins.
00:00:11: Heute nach fast dreieinhalb Jahrhunderten unangetasteter Herrschaft glaubte ich dass Selin und dich unseren letzten Atemzug tun würden.
00:00:20: Es begann nicht mit einem Angriff sondern mit einer unheilvollen Resonanz Ein tiefes Vibrieren Anfangs kaum wahrnehmbar Koch wie ein fernes, unnatürliches Erdbeben durch die massiven Steinplatten unserer Zitadelle.
00:00:35: Dann schwoll es an!
00:00:36: Es wurde zu einem gewaltigen, markerschütternden Grollen.
00:00:40: Die Luft in unseren Gemächern begann zu beben.
00:00:44: Die Flammen der Kerzen flackerten wild und feiner Staub riselte aus den Fugen der Decke auf uns herab.
00:00:51: Ich trat rasch ans Fenster Selin dicht und wortlos hinter mir Und dann verdunkelte sich der Himmel über Argis.
00:00:59: Es geschah nicht allmählich wie bei einem aufziehenden Sturm, sondern schlagartig als hätte eine gigantische kosmische Hand eine pechschwarze Decke über unsere Sonne geworfen.
00:01:09: Gewaltige gezakte Silhouetten schelten sich lautlos aus der plötzlichen Finsternis direkt über den Toren unserer Stadt.
00:01:17: Sie schwebten dort reglos und massiv Als wären sie schon seit Anbeginn der Zeit an diesem Ort gewesen.
00:01:24: Die Erkenntnis traf mich wie ein Deutschstoß in die Brust Waschurschiffe.
00:01:29: Ich kannte diese Linien aus den holographischen Archiven meiner Jugend, diese brutalkantigen Rümpfe die wie gigantische gezackte Klingen aus obsidianstahl in den Himmel ragten.
00:01:42: Die schlummernden Waffenöffnungen groß genug um unsere gesamte Zitadelle mit einem einzigen Schuss zu vaporisieren.
00:01:49: Es waren die Vernichter von Welten jene unauffaltsamen Bestien die das Imperium der Ortys in Staub verwandelt hatten.
00:01:57: Die Panik kam nicht schleichend, sie explodierte in mir und durchbrach alle Barrieren meiner Logik und meines Serums.
00:02:04: Meine Knie wurden augenblicklich weich als hätte eine unsichtbare Kraft mir die Knochen aus dem Körper gezogen.
00:02:12: ein eisiger Schauer jagte über meinen Rücken Und für einen Wimpernschlag weigerte sich meine Lunge zu atmen dass wir sterben würden.
00:02:29: Hier und jetzt!
00:02:30: Das Wissen, das alles was wir auf diesem Planeten aufgebaut hatten in wenigen Sekunden zu radioaktiver Asche verbrennen würde.
00:02:39: Selin griff nach meiner Hand Ihre Finger waren eiskalt Und ich spürte wie sie zitterte ein feines unkontrollierbares Beben das ihren gesamten Körper durchlief.
00:02:51: Wir standen dort an der Brüstung zwei Gottgleiche Unsterbliche Herrscher, die plötzlich wieder so klein und sterblich waren wie jedes andere Insekt auf dieser Welt und starten unserem Ende direkt ins Auge.
00:03:03: Ich wartete auf das Aufreißende Hüllen, auf das Grelle blendende Aufblitzen der Plasmakanonen – auf das Bärsten unserer dicken Mauern in einem finalen Feuersturm!
00:03:14: Doch nichts dergleichen
00:03:16: geschah.".
00:03:17: Stattdessen drangen nach einer gefühlten Ewigkeit, drückender stille mechanische Geräusche aus dem Inneren unserer Festung zu uns herauf.
00:03:25: Schwere, rhythmisch stampfende Schritte halten durch die steinernen Gänge der Zitadelle wie ein unauffaltsamer Todesmarsch.
00:03:32: Das kulturelle Murmeln fremder, harter Stimmen war zu vernehmen.
00:03:37: Dann folgte einen orenbetäubendes Krachen als die großen eisenbeschlagenen Flügel-Tore unserer Empfangshalle aufgesprengt wurden.
00:03:46: Ein Trupp bei Schursoldaten stürmte herein.
00:03:49: Es waren riesenhafte, albtraumhafte Gestalten eingehüllt in schwere schwarz-schimmende Kampfanzüge die jede menschliche Anatomie verhöhnten.
00:03:59: Ihre Gesichter blieben hinter völlig undurchsichtigen spiegelnden Visieren verborgen.
00:04:05: Unsere Diener und Wachen im Saal erstarten mitten in der Bewegung als hätte die Präsenz dieser Wesen die Zeit selbst angehalten.
00:04:13: Einer der Eindringlinge Offensichtlich der Kommandant, hob dem massiven Arm und brüllte eine Abfolgerauer Laute in eine Vorrichtung an seinem Handgelenk.
00:04:22: Eine Sekunde später erfüllte ein kalter synthetischer Übersetzerstimme im lupenreinem alte Mortisisch den Raum.
00:04:29: Sie klang wie ein maschinelles Urteil – du!
00:04:32: Zeig uns euren
00:04:33: Führer!".
00:04:35: Ein Diener am ganzen Körper unkontrolliert zitternt, hob die Hand und deutete mit einer knappen verängstigten Geste hinauf zu mir.
00:04:43: Der Anführer der Baschur, welcher seine eigenen Untergebenen noch um einen Kopf überragte, trat langsam vor.
00:04:51: Sein Visier blieb ein schwarzer Spiegel in dem sich nun lediglich meine eigene Erstaategestalt widerspiegelte.
00:04:58: Er sprach erneut in sein Gerät und die Übersetzerstimme schnahte hart durch die Halle – wer seid ihr?
00:05:05: Ich atmete tief ein und zwang mich mit roher Willenskraft zur Ruhe.
00:05:10: Wenn ich sterben musste Sollte meine Stimme die kühle Autorität des ersten Rates tragen und nicht das Wimmern eines in die enge getriebenen Beutetiers.
00:05:19: Wir sind Menschen, von den Ortis auf diesem Planeten ausgesetzt und zurückgelassen!
00:05:26: Dann seid ihr Feinde der Ortis?
00:05:29: Ja Die Antwort war simpel und entsprach der Wahrheit.
00:05:34: Warum sprecht Ihr ortisisch?
00:05:37: Sie zwangen unsere Vorfahren ihre Sprache zu lernen und zu adaptieren.
00:05:42: Unsere eigene, ursprüngliche Sprache ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.
00:05:48: Es war eine vorteilhafte kalkulierte Vereinfachung unserer Geschichte.
00:05:53: Wie lange seid ihr bereits hier?
00:05:56: Nicht ganz dreihundertfünfzig Jahre gemessen an der lokalen Umlaufzeit dieses Planeten.
00:06:02: Warum die Verbannung?
00:06:04: Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren.
00:06:08: Ich wählte meine nächsten Worte mit Bedacht, eine präzise Mischung aus historischer Wahrheit und jenem Narrativ das diese Kriegerkaste hören wollte.
00:06:16: Die Ortes planten in ihrer Feigheit uns als Söldner in einem Krieg einzusetzen doch der Krieg ging für sie zu schnell verloren.
00:06:26: Sie waren schwach gerieten in Panik und setzten uns hier im Schlamm aus anstatt sich ihrer Schuld um dem Kampf zu stellen.
00:06:33: Der Baschurkommandant Schwieg Sein massiver Helm blieb star auf mich gerichtet, während sich diese Kunden zu Stunden dehnten.
00:06:42: Dann kam die Antwort und sie ließ mein Weltbild implodieren – Mensch!
00:06:46: Du wirst es mir kaum glauben aber ihr hättet tatsächlich gegen uns kämpfen
00:06:50: sollen.".
00:06:51: Eine Pause entstand in der sein Visier mich zum Mustern schien als erwarte er eine Reaktion auf diese historische Ironie.
00:07:06: Die Baschur werden diesen Planeten nun besiedeln.
00:07:10: Da wir jedoch aktuell noch wenige sind, benötigen wir vorerst eure kleine Insel nicht!
00:07:16: Eine erneute, drückende stille Folgte lediglich unterbrochen vom Leisen hochfrequenten Soren seines Übersetzermoduls.
00:07:25: Dann sprach er weiter und der Tonfall der Maschine klang beängstigend nachdenklich – ich weiß nicht warum aber jeder meiner Leute, der euch kleine Wesen hier ansieht mag Euch.
00:07:35: Mein kleiner Sohn wünscht sich ein paar von euch zum Spielen.
00:07:39: Ich werde ihm diesen Wunsch erfüllen!
00:07:42: Ihr scheint zudem überaus geschickte Handwerker zu sein.
00:07:46: Daher ist dies mein Angebot.
00:07:48: Jedes Dritte eurer Kinder wird uns, sobald es erwachsen ist, übergeben.
00:07:53: Es wird uns dienen.
00:07:55: Solange er seine Pflicht erfüllt hat es nichts zu befürchten.
00:07:59: Wir mögen euch Ja ich glaube ich mag sogar dich.
00:08:04: Die völlige, surreale Absurdität dieser Worte traf meinen Verstand wie ein physischer Hammerschlag.
00:08:11: Mögen!
00:08:12: Diese Kreaturen, deren Name gleich bedeutend mit gnadenloser Vernichtung war, sprachen von Zuneigung?
00:08:20: Falls du zustimmst vor die mechanische Stimme unerbittlich fort werden wir deine lokale Herrschaft über dein Volk aktiv unterstützen.
00:08:28: Lähne ab und alle von euch werden sofort versklavt.
00:08:32: Eure biologische Art wird dann in maximal zwei Generationen restlos ausgelöscht sein.
00:08:38: Was wählst du?
00:08:40: Mein Gehirn arbeitete mit der Geschwindigkeit des reinen Überlebensinstinkts.
00:08:45: Es gab keine Wahl, es existierte nur eine einzige Möglichkeit die Existenz meines Volkes vor der Auslöschung zu bewahren.
00:08:54: Ja, sagte ich.
00:08:55: Die Stimme klang hohl und völlig fremd in meinen eigenen Ohren.
00:09:00: Gut Die administrativen Einzelheiten regeln meine Untergebenen mit dir.
00:09:06: Der Baschurkommandant drehte sich auf dem Absatz um und verließ mit seinen schwer gepanzerten Soldaten den Saal so abrupt und geräuschvoll, wie er gekommen war.
00:09:16: Ich blieb zurück die weiche Hand meiner Frau immer noch krampfhaft in der Meinen Und starte auf jene Stelle auf den Steinplatten, die dieser Riese gerade noch eingenommen hatte.
00:09:26: Wie ich sie dreihundertfünfzig Jahre lang gekannt und beherrscht hatte, die eisernen Gesetze von Bedrohung und planetarer Verteidigung, von kalkulierter Grausamkeit und physikalischer Vernunft, hatte sich soeben in völliges nichts aufgelöst.
00:09:40: Wir waren keine Götter!
00:09:42: Wir waren ab heute das Spielzeug von Monstern.
00:09:45: Ich verstand die Welt nicht mehr Jahr.
00:09:48: dreihundertsiebenundvierzig Tag vierhundertzwei.
00:09:53: Die Baschur sind humanoid.
00:09:54: Sie besitzen zwei Arme und zwei Beine, dazu sechs Finger an jede Hand sowie sechs Zehen an jedem Fuß mit denen sie beinahe so geschickt zu greifen Vermögen wie mit ihren Fingern.
00:10:05: Ihre lederartige Haut variiert individuell in Tönen von grün bis braun.
00:10:10: auf Ihren Rücken ist sie zudem gepanzert.
00:10:13: Ihr Gesicht wird von einem hervorstehenden Maul dominiert über dem sich die Öffnungen ihrer Riechorgane befinden.
00:10:19: große star blickende Augen und Abstehende Spitzeohren vervollständigen diese brutale, hallose und hässliche Fratze.
00:10:28: Genauso hatte ich mir als Kind stets die dämonischen Ungeheuer unserer Sagen vorgestellt.
00:10:34: Sie sind zweigeschlechtlich!
00:10:36: Bei einem bekleideten Bashur könnte ich jedoch niemals sein Geschlecht erraten – vermutlich erkennen sie einander anhand ihrer Ausdünstungen.
00:10:45: So weit mir bekannt ist, agieren beide Geschlechter gleichermaßen aggressiv und bösartig, sind jedoch sozial
00:10:51: gleichgestellt.".
00:10:53: Ihr Nachwuchs wird maschinell ausgebrütet, bis die Jungen aus den Eiern schlüpfen woraufhin sie von staatlichen Einrichtungen großgezogen werden.
00:11:02: Lediglich die Oberschicht und inzwischen auch die obere Mittelschicht erzieht ihre Kinder mithilfe von Angestellten selbst.
00:11:09: Soweit ich in Erfahrung bringen konnte kam dies in den letzten zwei Jahrtausenden zunehmend im Mode Und selbst einige finanziell schwächere Paare versuchen sich bereits daran.
00:11:19: Warum?
00:11:20: Ich weiß es nicht.
00:11:22: Womöglich entwickeln diese Ungeheuer unerwarteterweise so etwas wie Elternliebe.
00:11:28: Die Baschur zeigen eine Beißhemmung gegenüber uns Menschen!
00:11:32: Wer hätte dies für möglich gehalten?
00:11:35: Diese Krieger, deren Name gleichbedeutend mit gnadenloser Vernichtung ist begegnen uns mit einer Art stumpfer, unerklärlicher Zuneigung.
00:11:44: Sie betrachten uns nicht als Gegner – nicht einmal als echtes Sklaven-Nein.
00:11:49: Es ist die irrationale Zuneigung, die man einem hilflosen aber possierlichen Haustier entgegenbringt.
00:11:59: die ein primitiver Mensch ersonnen hatte.
00:12:21: Dieses Wissen ist mein einsamster Schatz, eine glühende Kohle der Vergeltung, die ich tief in mir vergraben
00:12:28: halte.".
00:12:29: Die heutigen Aguren kennen diese Geschichte nicht!
00:12:48: als ich sie zusammenrief und die neue Ordnung erklärte.
00:12:52: Sie begriffen sofort, dies ist kein Sieg sondern ein Waffenstillstand auf Basis einer unergründlichen Laune unserer Peiniger.
00:13:00: Und gegen Launen hilft keine Strategie.
00:13:04: Wir sind zu Kuriositäten geworden Zu geliebten Sklaven Jeder Tag unter dieser unverdienten Gunst Ist ein Nadelstich in meinen Stolz.
00:13:13: Doch ich ertrage ihn Denn solange wir leben ist die Prophezeiung nicht tot.
00:13:20: Sie schlummert, wie ich es tue und wartet!
00:13:39: der mir zutiefst widerstrebt, dessen Stabilität ich jedoch nicht leugnen kann.
00:13:52: Es ist – als lebten wir mit hochgefährlichen Raubtieren zusammen-, die in unserer Gegenwart ihren Instinkt zu Töten verloren
00:13:59: haben.".
00:14:00: Die bloße Anwesenheit von Menschen wirkt auf die Baschur wie ein sedierendes Zähmungsmittel.
00:14:06: Emotionen wie Zuneigung oder Mitleid sind bei dieser mörderischen Spezies genetisch eigentlich nicht existent, doch in unserer unmittelbaren Nähe beginnen sie diese Empfindungen nicht nur zu imitieren, sondern scheinbar tatsächlich zu entwickeln.
00:14:20: Ihre gefürchtete Aggression weicht einer absurden, beschützenden Haltung.
00:14:25: Mein Verstand sucht vergebens nach einer wissenschaftlichen Erklärung für dieses Phänomen doch die Realität unseres Alltags beweist es unablässig.
00:14:34: Es bleibt ein undurchdringliches Demütichen des Rätsel.
00:14:39: der sogenannte Tribut.
00:14:40: Der Dienst unseres Volkes bei den Bashur gleicht heute in keiner Weise der brutalen Sklaverei, die ich einst erwartet hatte.
00:14:48: Er hat sich zu einem organisierten fast schon privilegierten Dienstverhältnis gewandelt.
00:14:54: Die sogenannten Sklaven arbeiten in den sauberen klimatisierten Haushalten der Bashur betreuen deren Brut bereiten ihnen exotische Nahrung zu oder überwachen ihre automatisierten Anlagen.
00:15:06: Sie werden nicht geschlagen man verhetschelt sie beinahe.
00:15:10: Sie erhalten regelmäßig freie Tage, um in unsere Siedlungen zurückzukehren.
00:15:16: Die absolute ätzende Ironie daran ist allgegenwärtig – inzwischen zwingen wir niemandem mehr!
00:15:22: Die Aguren melden sich freiwillig für diesen Dienst.
00:15:26: Das Leben in den perfekten technologisch unendlich überlegenen Bashur-Metropolen die auf den anderen Kontinenten von Arges entstanden sind erscheint vielen schwachen Geistern schlichtweg bequemer als der Kage von harter Arbeit geprägte Alltag auf unserer vulkanischen Insel.
00:15:42: Genau diese Bequemlichkeit ist die neue, unsichtbare Fessel, die mein Volk weitaus fester gefangen hält als es eiserne Ketten jemals könnten.
00:15:51: Ich muss die fast erloschene, glimmende Asche der Sehnsucht nach der alten Heimat wieder zu einem lodernen Feuer entfachen!
00:15:59: Wir sind träge geworden, verdorben und korrumpiert von einer völlig unerwarteten systematischen Wohltätigkeit unserer
00:16:06: Unterdrücker.".
00:16:08: Als im letzten Zyklus gewaltige Unwetter einen Großteil unserer Ernten auf der Insel vernichteten, trafen schwere Baschurtransporter mit synthetischen Nahrungsmitteln ein noch ehe unser hoher Rat die Rationen offiziell kürzen oder gar um Hilfe bitten konnte.
00:16:23: Sie bauten uns Krankenhäuser!
00:16:25: Sie errichteten Schulen in denen sie nun sogar unsere Klügsten an ihren Konsolen ausbilden.
00:16:32: diese Ungeheuer Diese gnadenlosen Mörder unzähliger Sternenvölker sind ausgerechnet uns gegenüber hilfsbereit, ja auf eine abartige Weise fast liebenswert.
00:16:42: Sie besitzen die absolute militärische Macht und mit einem einzigen Befehl zu Staub zu verbrennen – und doch tun sie es nicht!
00:16:50: Warum?
00:16:51: Diese Frage rotiert unaufhörlich in meinem Geist.
00:16:55: Ist das ein evolutionärer Fehler?
00:16:58: Ist es Schwäche?
00:17:00: Ist es eine Form des kollektiven Wahnsinns oder ist es eine derart hochentwickelte, türkische Form der psychologischen Kontrolle das mein eigener Verstand sie nicht entschlüsseln kann?
00:17:12: Zu unserem Glück mischen Sie sich nicht in die internen Regierungsangelegenheiten von Agurenland ein.
00:17:18: Meine ehemals größte Sorge dass Ihre Scanner das Geheimnis unserer Unsterblichkeit und das Ortisische Serum entdecken könnten erwies ich als unbegründet.
00:17:28: Sie fragen nicht nach uns.
00:17:30: Sie interessieren sich nicht für unsere innere Struktur!
00:17:34: In den seltenen, offiziellen diplomatischen Kontakten agiert ausschließlich der Dritte Rat als unser formelles Sprachrohr.
00:17:42: Selin und ich haben uns vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.
00:17:47: Wir sind für das einfache Volk zu mythischen unantastbaren Figuren geworden Zu entrückten Gottgleichen Geistern die irgendwo zwischen Leben und Tod über Arges wachen.
00:17:58: Diesen Aberglauben der Priesterkaste fördere ich bewusst.
00:18:02: Die Klugen werden glauben, dass die Ämter des ersten und zweiten Rates vakant sind und der dritte Rat allein die Macht ausübt.
00:18:10: Umso besser!
00:18:11: Der dichte Schleier dieser Legende schützt uns, erschützt die Verbleibenden am Polen unterbewahrt das letzte große Geheimnis.
00:18:18: Doch dass die Massen da draußen in ihrer geschenkten Bequemlichkeit schlafen und weich werden, vergesse ich
00:18:24: nicht.".
00:18:25: Mein Verstand ruht niemals.
00:18:28: Die Prophezeiung der brennenden Flotten und der Heimkehr schläft nicht, sie hat lediglich des Augenblicks in dem die Bestien ihren Blick abwenden.
00:18:38: Ja, fourteenhundertneunzig Tag eins – fast eintausend fünfhundertages Jahre!
00:18:44: Ein Zeitraum, der den Verstand jedessterblichen Wesens zu Staub zermahlen würde.
00:18:50: Selin und ich haben endlose Zyklen von Geburt, kurzer Blüte unweigerlichem Verfall und tot miterlebt, sie ziehen an uns vorüber wie die flüchtigen Jahreszeiten an einem Baum.
00:19:01: Wir sind zu steinernen Zeugen geworden – zu atmenden Denkmälern unserer eigenen noch immer unerfüllten Ambitionen!
00:19:09: Unser Traum war es, unser Volk in stählernen Flotten zur absoluten Größe und zurück in die Heimat zu führen.
00:19:16: Die ernüchternde Realität ist jedoch, dass wir die gut behüteten Edelsklaven der Baschur geblieben
00:19:22: sind.".
00:19:23: Das Leben der Aguren entfaltet sich und vergeht vor unseren Augen in einer sich ständig erneuernden, bedeutungslosen Welle während wir unbewegt auf dem ewigen Felsen der Zeit nur stumpd zusehen.
00:19:35: Dennoch unser bestgehütetes gefährlichstes Geheimnis ist nach wie vor in Sicherheit.
00:19:41: Die Barschur ahnen nicht dass die ursprünglichen Amtsinhaber des ersten und zweiten Rates noch immer am leben sind und aus den Schatten heraus die Aguren lenken.
00:19:51: Um diese Isolation abzusichern, hat Selin in ihrer Rolle als dritter Rat einem meisterhaften manipulativen Schachzug vollzogen.
00:20:00: Sie nahm offiziellen Kontakt zu den lokalen Baschurkommandanten auf und bat sie mit gespielter Unterwürfigkeit um technologische Hilfe.
00:20:08: Sie gab vor sich des absoluten Gehorsams der untergeordneten Räte vergewissern zu wollen und fragte die Ungeheuer nach einem Instrument der unfehlbaren Kontrolle.
00:20:18: Die Baschur waren von diesem primitiven, menschlichen Machthunger höchst amüsiert und willigten sofort ein.
00:20:25: Sie übergaben Selin eine Injektionspistole die einen auf Nanotechnologie basierenden Tötungsmechanismus enthält.
00:20:34: ja sogar planetare Entfernungen fehlerfrei funktioniert.
00:20:52: Ein damit gesendeter, kodierter Todesbefehl lässt den Betroffenen durch eine sofortige zelluläre Zerstörung im Gehirn innerhalb von Sekundenbruchteilen sterben.
00:21:02: Wir täuschten dem hohen Rat vor sie mit dieser Injektion vor neuen exotischen Krankheiten schützen zu wollen.
00:21:09: Im direkten Anschluss demonstrierten wir die wahre vernichtende Wirkung der Nanoteichen an einigen verurteilten Verbrechern auf dem Hauptplatz.
00:21:18: Nun ist jede Mitglied des hohen Rates Kristall klar, dass selbst der kleinste Gedanke an Verrat den sofortigen Tod bedeutet.
00:21:26: Damit wurde unsere nicht unbegründete Befürchtung einer der Räte könnte in einem Anflug von Geltungssuch zu dem Baschur überlaufen und von unserer Unsterblichkeit erzählen auf ein Minimum reduziert.
00:21:38: In Zukunft wird jeder Rat diese schützende Injektion erhalten.
00:21:42: Furcht is das verlässlichste aller Schlösser.
00:21:46: Das Paradoxe ja fast schon lachhafte an unserer Herrschaft ist, wir machen aus unserer Unsterblichkeit im Grunde gar kein Geheimnis.
00:21:54: Die einfachen ungebildeten Menschen glauben an die ewigen Räte!
00:21:59: Die intellektuelle Elite der Aguren hingegen amüsiert sich über diesen primitiven Aberglauben.
00:22:06: Unsere Gelerten sind in ihrer eigenen Arroganz fest davon überzeugt dass es seit mehr als elevenhundert Jahren keinen ersten und zweiten Rat mehr gibt, und die gesamte Macht vom jeweiligen dritten Rat ausgeübt wird.
00:22:18: Genau das denken auch die Bashur!
00:22:21: Und genau so soll es bis zum Tag der Vergeltung auch bleiben.
00:22:25: Wir haben es dennoch geschafft, die Sehnsucht nach der fernen Erde im Herzen der Aguren wach zu halten wenn auch nur noch als ein fernes mythologisches Leuchten.
00:22:34: Jeder spricht in Gebeten von ihr Doch für die Allermeisten ist es nur noch ein frommer Wunsch geworden.
00:22:41: Ein abstraktes Märchen, an das man aus Tradition glaubt ohne jemals ernsthaft auf seine Erfüllung zu hoffen.
00:22:48: Der Alltag auf Argis ist schlichtweg zu weich und bequem geworden Und dieser Alltag ist ein faszinierendes Paradoxiskonstrukt.
00:22:58: Die ehemals erzwungene Symbiose hat sich massiv vertieft.
00:23:02: Aguren besetzen mittlerweile Schlüsselpositionen in der lokalen Verwaltung der Industrie und sogar der Unterhaltung der Baschur hier auf Argis.
00:23:11: Unsere Peiniger übertragen uns immer mehr Verantwortung nicht nur aus ihrer unerklärlichen, tierischen Zuneigung heraus sondern aus schlichter logistischer Notwendigkeit.
00:23:21: Ihr endloser Krieg, ihr einziger Daseinszweck frisst ihre Gesellschaft von innen heraus auf!
00:23:28: Seit ein-tausend fünfhundert Jahren führen sie ihn ununterbrochen.
00:23:32: Ein Volk nach dem anderen wird von ihren Keilen niedergeworfen, versklavt oder restlos ausgelöscht.
00:23:38: Während sie an den Fronten bluten verwalten wir indes Geräusch los die Infrastruktur ihrer Zivilisation auf Argus.
00:23:46: Wir werden unentberlich.
00:23:48: Unsere eigene Bevölkerung ist inzwischen auf sechshunderttausend Seelen angewachsen.
00:23:54: Vor kurzem tratten die Bashur-Kommandanten sogar mit einem erstaunlichen völlig neuen Vorschlag an Selin heran.
00:24:00: Sie boten an einige Zehntausend von uns auf andere bereits befriedete Planeten ihres gigantischen Reiches umzusiedeln, um dort ebenfalls administrative Aufgaben zu übernehmen.
00:24:11: Ich ließ Selin sofort zustimmen.
00:24:13: Planetare Ausbreitung bedeutet das Sammeln von Daten und interstellarem Einfluss – doch ich setzte im Hintergrund eine Bedingung durch!
00:24:20: Jeder umgesiedelte Agur muss mindestens alle drei Jahre die Möglichkeit haben, die Heiligtümer unserer Insel auf Argis zu
00:24:27: besuchen.".
00:24:28: Ich hatte bei dieser religiösen Forderung Ablehnung und einen Hinweis auf ihre wahren Absichten erwartet.
00:24:35: Stattdessen verhandelten die Ungeheuer nur unbeeindruckt und nüchtern über die logistischen Details der Transportflüge.
00:24:42: Diese eiskalte Gleichgültigkeit, diese fast schon kindliche Vertrauensseligkeit uns gegenüber ist beunruhigender als offene Feindseligkeit.
00:24:51: Es zeigt wie unendlich harmlos sie uns einschätzen.
00:24:56: Und dann ist da ihre jüngste Errungenschaft.
00:24:59: Ein Spielzeug, das sie einem besiegten Volk geraubt haben – das sogenannte Psychonetz.
00:25:05: Es ist eine Technologie die es intelligenten Wesen erlaubt Gedanken, Erinnerungen und Gefühle direkt auszutauschen Hunderte Jahrtausende Individuen zu einem einzigen gewaltigen Kollektivbewusstsein zu verschmelzen.
00:25:19: Die geistige Kapazität eines solchen Netzwerks soll enorm sein Aber die Gefahren sind es ebenso kollektiver Wahnsinn, der Totalverlust des Egos eine ganze Zivilisation, die in einer einzigen Panikattacke untergeht.
00:25:33: Mann munkelt in den Verwaltungszentren.
00:25:35: einige der führenden Bashur-Wissenschaftler träumten in ihrem Größenwaren davon ihr gesamtes kriegerisches Volk zu einem Überwesen zu vereinen.
00:25:44: Der erste Versuch musste abgebrochen werden.
00:25:47: Die teilnehmenden Bashur-Soldaten standen kurz vor dem totalen Irrsinn, unfähig den Verstand des anderen zu ertragen.
00:25:54: Auch Selin durfte diese Technologie getarnt in ihrer offiziellen Funktion als Dritterrat mit einer ausgewählten Gruppe anderer Aguren testen.
00:26:03: Das Ergebnis war aufschlussreich!
00:26:06: Der menschliche Geist geprägt durch Jahrtausende des reinen Individualismus sträubt sich instinktiv und gewaltsam gegen die vollständige Verschmelzung.
00:26:16: Jeder menschliche Proband kämpfte im Netz unerbittlich um die Bewahrung seines eigenen Ichs.
00:26:22: Für uns Aguren bleibt das Psychonetz daher nicht mehr als ein hocheffizientes Kommunikationswerkzeug, ein erweitertes organisches Netzwerk der Gehirne.
00:26:32: Wir können taktische Informationen in Millisekunden teilen aber wir weigern uns unsere Essenz aufzugeben!
00:26:45: wie es sie verändert, wie diese Technologie ihren kriegerischen Fokus von innen heraus aushüllt.
00:26:51: Sie – die Eroberer, die uns so gerne als ihre primitiven kleinen Haustiere betrachten sind es in Wahrheit, die vor einer technologischen Versuchung kapitulieren der unser menschlicher Verstand problemlos widersteht.
00:27:05: Das Psychonetz ist kein Werkzeug für sie.
00:27:08: Es ist eine Schwäche Eine offene Flanke in ihrer scheinbar perfekten Panzerung Und jede Schwäche eines übermächtigen Gegners ist eine strategische Schause.
00:27:19: Ich habe nun ein Tausend Fünfhundert Jahre im Schatten dieser Festung gewartet!
00:27:24: Ich kann noch länger warten, Jahr zweitausendfünfhundert – Tag Einhundertachzig.
00:27:31: Heute Vormittag verließ ich die Isolation unserer Zitadelle.
00:27:35: Verborgen unter der schweren Dunklen Robe eines einfachen Priesters unseres eigenen Unsterblichkeitskurs betrat ich das Zentralarchiv in Selinstadt.
00:27:45: Es handelt sich um einen gewaltigen, lichtdurchfluteten Bau aus markellosem Glas und schwarzem Stahl ein technologisches Geschenk, dass uns die Bashur vor über achthundert Jahren machte.
00:27:56: Die Wände im Inneren sind lückenlos mit holographischen Bildschirmen bedeckt auf denen die endlosen Datenströme, Logistikquoten und Truppenbewegungen aus dem gesamten gigantischen Bashur-Imperium vorbeigleiten.
00:28:09: Wir Aguren verwalten dieses Reich bereits in weiten Bereichen!
00:28:14: Doch ich kam heute nicht wegen der aktuellen Datenströmung.
00:28:17: Ich kam gezielt für den ältesten, tiefsten Teil des Archivs – denn kaum noch jemand betritt.
00:28:23: Die rohen, ungeschönten Aufzeichnungen aus unseren ersten Jahrhunderten auf dieser
00:28:27: Welt.".
00:28:28: Sie lagern in einem abgedunkelten, klimatisierten Raum.
00:28:33: Die alten schimmenden Kristallspeicher sind dort von einer dünnen Staubschicht bedeckt.
00:28:38: Der diensthabende Archivar – ein junger Agur mit dem eifrigen Blick eines Gläubigen führte mich hinab!
00:28:45: Er war sichtlich aufgeregt, einen Priester der ewigen Dienen zu dürfen und plapperte auf den Weg unaufhörlich über die neuesten Effizienzsteigerungen.
00:28:57: Ich unterbrach seinen Redefluss und bat ihn, die allerersten optischen Aufzeichnungen von Guthaar Irinn dem ersten Rat aufzurufen.
00:29:05: Er tippte auf die Steuerkonsole.
00:29:08: Einen Wimpernschlag später erschien mein eigenes Gesicht auf dem großen Schirm.
00:29:13: Biologisch betrachtet war es exakt gleich alt wie in dieser Sekunde aber dennoch von einem rohen Feuer getrieben das ich heute nicht mehr kenne.
00:29:22: Es war die allererste Aufnahme von der Proklamation der Republik Agis im Jahr eins, an Tag sechzig.
00:29:29: Meine damalige Stimme hart und voller Eisener unbarmherziger Entschlossenheit halte durch den stillen Raum.
00:29:36: Der junge Archivar betrachtete die Aufnahme mit einem milden fast schon gelangweilten Interesse.
00:29:43: Er war sehr leidenschaftlich, sagte er schließlich mit distanzierter Höflichkeit.
00:29:49: Eine große Figur unserer Frühgeschichte.
00:29:52: Eine Figur!
00:29:54: Als spreche er über einen fiktiven Charakter aus einem drittklassigen Theaterstück.
00:30:00: Glauben Sie, dass es ihn wirklich gab?
00:30:02: Fragte ich Ihnen und zwang meine Stimme dazu hinter dem dicken Stoff der Priesterrohbeweich und Fragen zu klingen So wie es in den alten Aufzeichnungen steht als realen Menschen.
00:30:15: Er zuckte nur leicht mit den Schultern.
00:30:18: Sicher, die Bilder und alten Kristalle sind da.
00:30:22: Aber man weiß in der Geschichtsschreibung ja nie wo die Fakten enden.
00:30:27: Vieles aus dieser dunklen Zeit ist stark mythologisch überlagert Die unsterblichen Führer – die große Prophezeiung der Sterne.
00:30:37: Dann lehnte er sich vor und senkte seine Stimme zu einem verschwörerischen vertraulichen Flüstern Ganz unter uns euer Erwürden.
00:30:46: Ich denke Vieles davon sind reine Metaphern der ersten Siedler.
00:30:50: Guta Irinn steht schlicht für den kämpferischen Geist unseres Volkes, den wir brauchten um die Wildnis zu bezwingen.
00:30:58: Selin Heda steht sinnbildlich für unseren Erfindungsreichtum und die Ordnung.
00:31:04: Und die ständige Rede von der Rückkehr in die Heimat ist doch nur ein schönes Symbol für die spirituelle Erfüllung wie sich eine Kälte in meinen Knochen ausbreitete, die absolut nichts mit dem orthisischen Serum in meinem Blut zu tun hatte.
00:31:24: Sie haben uns zu Allegorien gemacht!
00:31:27: Dieses weiche unwissende Volk hat unsere lodernde Wut unseren unerträglichen Schmerz des Verrats und unserem blutigen Eid der Rache im Laufe der Jahrtausende in harmlose philosophische Gleichnisse verwandelt.
00:31:40: Märchen die man den Kindern in der Schule beibringt und die sie als Erwachsene sofort wieder vergessen, weil sie keine Relevanz mehr für ihren bequemen Alltag haben.
00:31:49: Ich verließ das Archiv wortlos und ging durch die Breitenstraßen von Selinstadt.
00:31:55: Sie ist heute eine blühende und zutiefst friedliche Metropole.
00:31:59: Im Schatten der Bäume spielten Baschurkinder unbeschwert mit Agurenkindern.
00:32:04: Überall sah ich lächelnde zufriedene Gesichter.
00:32:08: Sie leben in einem künstlichen, goldenen Zeitalter das ich selbst mit erbaut habe und dass meine Frau Selin bis heute mit perfekter unsichtbare Hand regiert.
00:32:18: Und sie haben restlos alles vergessen!
00:32:26: Und wir, Selin und ich sind zu bloßen Gespenstern in der Maschine geworden die unsichtbaren unsterblichen Hüter einer Wahrheit, die niemand auf dieser Welt mehr hören will.
00:32:49: Doch genau das macht die Prophezeiung meiner Nächte nun umso zwingender!
00:32:54: Sie ist nicht länger nur meine Rettung aus diesem Exil – sie ist zu meiner ultimativen Rache an dieser bequemen wiederwertigen Amnesie meines eigenen Volkes geworden.
00:33:04: Eines Tages werde ich sie alle brutal daran erinnern wer wir wirklich sind.
00:33:09: Wir sind keine Symbole, wir sind keine Metaphern!
00:33:14: Wir sind Krieger die man betrogen und weggesperrt hat.
00:33:18: Und wenn dieser ferne Tag kommt und ich die irdische Heimat wieder betrete wird es kein sanftes philosophisches Heimkehren sein.
00:33:26: Es wird ein gnadenloser Sturm aus Stahl-und Feuer sein der alles restlos wegfegt was weich friedlich und vergesslich geworden ist Die Baschur Die Ortis und vor allem die Schwäche in uns selbst.
00:33:39: Jahr dreitausend achthundertneinundneunzig, Tag zweihundert Ein historischer Sieg wird nicht immer mit dem ohrenbetäubenden Donner von Plasmakanonen und dem Bärsten von Raumschiffhöhlen errungen.
00:33:52: Manchmal vollzieht er sich in vollkommener Stille.
00:33:56: Heute habe ich den allerersten menschlichen Gouverneur über einen der Planeten der Bashur ernannt.
00:34:02: Es gab keine blutige Invasion Keine wehenden Banner und keine Kapitulation.
00:34:07: Es geschah völlig lautlos, verpackt in einen routinemäßigen Verwaltungsakt der von Selin so meisterhaft orchestriert wurde dass er in den unendlichen rauschenden Datenströmen ihres gewaltigen Reiches schlichtweg unterging.
00:34:21: Der Planet Kyros IV einst eine der lautesten blühendsten und am schwersten bewaffneten Baschurwelten dieses Sektors ist heute nichts weiter als sein gigantischer abgedunkelter Schlafsaal.
00:34:33: Über achtzig Prozent der dortigen Bashur-Bevölkerung sind permanent und unwiderruflich an das Psychonetz angeschlossen.
00:34:40: Ihre physischen Körper liegen in Nährlösungen, während ihr Verstand in simulierten Traumwelten verrottet.
00:34:47: Die gigantische planetare Infrastruktur, die Fusionsreaktoren, die synthetischen Nahrungsfabriken, die automatisierten Werften läuft zwar fehlerfrei weiter aber der bewusste Wille dieser Spezies sie noch aktiv zu lenken ist endgültig erloschen.
00:35:02: Unser Mann, ein hochintelligenter Agure namens Torenwahl wird von nun an die massiven Ressourcen dieses Planeten verwalten.
00:35:11: Auf dem Papier und in den offiziellen holographischen Registern tut er dies im Namen und zum Wohle der Bashurkommandeure.
00:35:18: In Wirklichkeit arbeitet er ausschließlich für uns und berichtet über verschlüsselte Kanäle direkt an Selin.
00:35:25: Wir marschieren einfach durch die offenen Tore und übernehmen lautlos ihre Terminals.
00:35:38: Es ist ein schleichender, perfekt kalkulierter Putsch der sich in Echtzeit direkt vor den leeren, blinden Augen unserer Peiniger abspielt.
00:35:47: Jahr viertausend dreihundert zweiundzwanzig Tag achtundsiebzig.
00:35:52: Selin kam heute morgen zu mir und proizierte die neuestem demografischen Modelle des Imperiums auf den großen Sichtschirm.
00:35:59: Die Zahlen sind eine Offenbarung der biologischen und gesellschaftlichen Wahrheit.
00:36:19: Sie zeugen schlichtweg keine Kinder mehr.
00:36:30: Und mein analytischer Verstand fragt, warum sollten sie auch?
00:36:35: Das Psychonetz an das mittlerweile fast ihre gesamte Spezies gekoppelt ist bietet ihrem Gehirn auf neurologischer Ebene jede nur erdenkliche Befriedigung jeden künstlichen Triumph und alle Gemeinschaft die man sich als biologisches Wesen wünschen kann.
00:36:50: Die mühsame, schmerzhafte Realität der physischen Existenz und der Fortpflanzung hat für sie jeden Sinn verloren.
00:36:57: Es ist die perfekte, klinisch-saubere und völlig selbstgewählte Auslöschung einer Kriegerrasse.
00:37:04: Die Kurve unserer eigenen Bevölkerung hingegen weist stetig nach oben.
00:37:09: Wir wachsen!
00:37:10: Zwar geschieht dies langsam und wird durch Selins Quoten kontrolliert – doch es ist unaufhaltsam.
00:37:16: Wir fließen lautlos in die gewaltigen, leeren Räume, die sie uns überlassen.
00:37:22: ob die flüstere Stimme in meinem Kopf jene Instanz, die mir einst die Prophezeiung der Heimkehr gab genau dieses Ende vorausgesehen hat.
00:37:54: Ob sie in ihrer kosmischen Weisheit wusste, dass unser scheinbar unbesiegbarer feind sich durch seine eigene technologische Hybris selbst besiegen würde?
00:38:03: Dass wir nur geduldig warten mussten um die fertigen Scherben ihres Imperiums aufzulesen!
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