Aufbruch - Kapitel 26 - Archäologie

Shownotes

Die Freundinnen werden als Archäologinnen tätig.

https://ana.turay.solimp.at

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00:00:00: Kapitel XXVI.

00:00:02: Archäologie, erster Januar two-tausend-siebzig bis einundreißigsten Mai zwei-taussend-sebzig Die ersten von Hell zur Durchsicht ausgewählten Datenkristalle enthielten die Kronik der kleinen Moonsiedlung.

00:00:14: Es waren Ereignisse, die für ihre Bewohner einst von größter Bedeutung gewesen waren.

00:00:19: Über Jahrhunderte hatten Archivare und Privatleute in mühevoller Kleinarbeit die Geschichte dieser Stadt festgehalten Eine Sammlung aus Videostreams, Bildern & Texten sauber datiert und mit knappen Erklärungen versehen.

00:00:31: Anna rückte näher an das Terminal heran, als könnte die Nähe zum Bildschirm die Distanz zu der längst vergangenen Zeit überbrücken.

00:00:38: Das ist ein einzigartiges Forschungsfeld für eine Historikerin, murmelte sie.

00:00:43: So etwas habe ich mir immer erträumt aber nie zu hoffen gewagt.

00:00:48: Julia blieb hinter ihr stehen und blickte ihr über die Schulter.

00:00:51: Dann ließ, sagte sie Ich kümmere mich inzwischen um die nächsten Kisten und lasse sie von Häl abarbeiten.

00:00:59: Annas Blick versank im Alltag der Ortis.

00:01:02: Sie folgte den Spuren ihrer Existenz durch Geburtsurkunden, Prüfungsprotokolle und die Einträge in Werkstattbüchern.

00:01:09: Sie wurde Zeugin der stillen Kämpfe um das kostbare Wasser- und der leidenschaftlichen Debatten über den Bau eines neuen Theaters.

00:01:16: Langsam fügten sich die Mosaiksteine zu einem Bild des einfachen Lebens zusammen mit all seinen nöten, unvermuteten Glücksfällen und Erfolgen.

00:01:24: Besonders fesselten sie die Schilderungen kultureller Feste, zu denen auch andere Spezies willkommen geheißen wurden, deren Kunstwerke begegneten ihr dort.

00:01:34: Manche waren ein vertrauter Widerhall, andere ein rätselhafter, faszinierender Abgrund.

00:01:39: «Schau dir das an», sagte Anna und ließ die Aufnahme laufen.

00:01:47: Und hier ist etwas, das wir nicht kennen.

00:01:50: ein Lächeln glitt über ihr Gesicht.

00:01:52: Sie nennen es anders aber ich würde es Hollowart nennen.

00:01:56: Julia gesellte sich zu ihr.

00:01:58: Erklär es mir Ich bin ein Leie!

00:02:01: sie erschaffen begehbare Kunsträume.

00:02:03: aus Hologrammen erläuterte Anna Eine Synthese aus Malerei Bildhauerei und Musik die als Gebilde im Raum schwebt.

00:02:11: Manche Werke sind statisch andere verändern sich als würden sie atmen.

00:02:16: Das ist kein Film, den man betrachtet.

00:02:18: Das ist eine Welt in die man

00:02:20: eintaucht.".

00:02:21: Eine Aufnahme davon ließ sie beide verstummen.

00:02:24: Eine große Halle füllte sich mit tanzendem Licht.

00:02:28: Die Projektion zeigte wie ein göttliches Wesen die Gesetze des Multiversums entwarf und die Kräfte der Natur festlegte.

00:02:35: Linien wurden zu formeln.

00:02:37: Formeln gerannen zu Tönen.

00:02:39: Töne zeichneten wiederum neue Linien in dem Raum.

00:02:42: Anna fühlte sich klein angesichts dieser schöpferischen Urkraft.

00:02:45: Wie muss das erst gewirkt haben, wenn man live davor stand?

00:02:49: murmelte sie mehr zu sich selbst nicht nur als Videostream.

00:02:52: Vielleicht könnte Hell aus den Daten eine Holographie rekonstruieren, schlug Julia vor!

00:02:57: Eine hervorragende Idee, stimmte Anna zu erfüllt von Vorfreude Aber erst nachdem alle Datenkristalle von Hell auf Schädlinge geprüft wurden.

00:03:07: Diese Datensammlung war ein Schatz der bewahrt werden musste.

00:03:11: Anders Gedanken sprangen weiter Ein Ort des Museums auf der Erde.

00:03:15: Doch die Vorstellung verflog kaum, dass sie geboren war.

00:03:19: Die Erde hauchte sie.

00:03:21: Werde ich Sie je wieder betreten?

00:03:24: Julia schwieg mit versteinertem Gesicht.

00:03:26: Sie wusste, das es darauf keine tröstende Antwort gab.

00:03:30: Anna fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn.

00:03:33: Ich kann mir nicht vorstellen Dass man uns nach dem Ende der Verbannung einfach willkommen heißt.

00:03:38: Oder hofft Jeffli am Ende doch Das wir dann für immer schweigen?

00:03:42: Warum hat er uns eigentlich von der Gehirnwäsche verschont?

00:03:46: Diese Frage klang fast wie ein Stoßseufzer, begleitet von der Hoffnung Anna könnte eine neue Theorie haben.

00:03:52: Ich komme immer wieder auf diesen Punkt zurück, musste Anna eingestehen Und ich finde einfach keine gute Erklärung.

00:04:00: Beide kannten die naheliegende Deutung, die tröstlich und beunruhigend zugleich war.

00:04:04: Jeffli war im Grunde kein schlechter Mensch doch für ihn schien der Zweck die Mittel zu heiligen.

00:04:09: Vielleicht empfand er so etwas wie väterliche Gefühle für die beiden Freundinnen.

00:04:14: Vielleicht hatte er sie verbannt, um Schlimmeres zu verhindern.

00:04:18: Doch unabhängig davon stand eines fest Die Mittel mit denen er die Menschheit vereinen wollte.

00:04:23: das war verbrecherisch.

00:04:25: Wie alt ist Jeffrey eigentlich?

00:04:27: Warf Anna plötzlich ein?

00:04:29: Das habe ich ihn nie gefragt.

00:04:31: Ich würde ihn auf Mitte sechzig schätzen Aber wer hat ihn damals zu Demeter gebracht?

00:04:37: Alles was wir über Ghanimet wissen spielt sich zwischen two-tausendfünfzig und heute ab.

00:04:42: Und Jeffree war immer der Vorstand des roten Kreises.

00:04:45: Mit wem also nahm Demeter nineteenhundertneunundsechzig Kontakt auf?

00:04:50: Hast du Demeter das gefragt, erkundigte sich Julia.

00:04:54: Ja Die Antwort war Der rote Kreis werde zur richtigen Zeit alles erfahren.

00:04:59: Anna verzog angewidert den Mund Was wenn nicht Demeter sondern Jeffree selbst diese Auskunft verweigert?

00:05:07: Ihre Gedanken begannen sich im Kreis zu drehen.

00:05:10: Schließlich schob Anna ihren Stuhl zurück, holte tief Luft und klickte entschlossen auf weiter.

00:05:16: Ich muss mich wieder auf die Arbeit konzentrieren, säufzte sie.

00:05:20: Sonst drehe ich hier noch durch!

00:05:22: Trotz aller Faszination sollten Sie Ihr eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren – Die Suche nach Hinweisen auf die Baschur.

00:05:29: Sie unternamen ausgedehnte Flüge über den Mond von Orthas, setzten an verschiedenen Punkten auf und kartierten die Ruinenfelder Doch alle anderen Siedlungen waren weitaus stärker zerstört.

00:05:40: Sie fanden auch weniger Tote.

00:05:43: Wahrscheinlich sind sie im Bombenhagel zu Asche verbrannt, vermutete Analyse.

00:05:47: Die Gebäude waren oft nur noch Schuddhaufen die unter ihren Stiefeln nachgaben.

00:05:52: Brauchbares Material fanden sie kaum!

00:05:55: Sie mussten sich eingestehen dass sie bei ihrem ersten Versuch unglaubliches Glück gehabt hatten.

00:06:00: Monatelang versuchten die Frauen noch etwas brauchbares auf dem Mond von Orters Drei zu finden.

00:06:05: Zusätzlich sichteten sie alle relevanten Videodateien.

00:06:09: Heute war bereits der einundreißigste Mai zwei-tausend-siebzig.

00:06:13: Julia war draußen auf der Mondoberfläche, einfach um beschäftigt zu sein.

00:06:18: Anna blieb an Bord!

00:06:19: Ihre Gedanken schweiften zu.

00:06:21: Julia.

00:06:22: Sie mochten einander und harmonierten gut – sie stritten selten.

00:06:26: Dennoch fehlte ihr die Leichtigkeit des Belanglosen Der Plausch mit Bekannten, der Witz, den man zum hundertsten Mal erzählt.

00:06:33: Sie sehnte sich nach einem Konzert, einem Film oder einer Fachdiskussion über Astrophysik.

00:06:39: All das war unendlich weit weg genauer gesagt.

00:06:44: Annalies hellkonservierte Nachrichtensendungen der Ortes aus den Kriegsjahren abspielen.

00:06:50: Die Bilder verschwammen zu einem gleichförmigen Strom.

00:06:53: Irgendwann warf sie nur noch einen halbherzigen Blick auf den Bildschirm.

00:06:57: Müdigkeit drohte sie zu überwältigen.

00:06:59: Da fuhr sie mit einer abruppten Bewegung hoch und drückte die Stopptaste.

00:07:04: Ihre Hände zitterten, als sie Sekunde für Sekunde zurückspulte – bis das Bild wieder im Zentrum des Terminals stand.

00:07:11: Dann zoomte sie heran und erstarrte auf dem Schirm wahren Gesichter zu sehen.

00:07:16: Hunderte, nein Tausende!

00:07:19: Menschengesicht in einer unterirdischen Bahnhofshalle.

00:07:22: Ein eisiger Schauer lief Anna den Rücken hinab gefolgt von einer jehen Woge der Hoffnung.

00:07:28: Ihr Herz hemmerte gegen den Brustkorb.

00:07:30: Hell, sagte sie mit gepresster Stimme, bitte übersetze die Tonspur und starte die Wiedergabe ab dieser Markierung!

00:07:38: Die Aufnahme lief an.

00:07:39: Stimmengewirr, Schritte – das Echo eines gewaltigen Raums.

00:07:43: Dann hörte sie die übersetzte Sprache der Ortess gesprochen von Menschen.

00:07:48: Es waren jene Menschen, die von dem Ortess auf Ghanimet zu Raumsoldaten ausgebildet worden waren.

00:07:54: Sie waren hierher auf den Mond gebracht worden um auf eine neue Heimat zu warten.

00:07:58: Julia rief Anna mit bebener Stimme in den Funk, komm sofort zurück!

00:08:03: Du wirst das nicht

00:08:04: glauben.".

00:08:06: Noch während Julia zurückkehrte durch forstete Anna fieberhaft das Archiv.

00:08:10: Sie fand zwei weitere Berichte.

00:08:13: Der erste dokumentierte Nüchtern die Lebensumstände der Gäste Unterkünfte Versorgung Schulunterricht.

00:08:20: Der zweite Beitrag zeigte ihren Abflug.

00:08:23: Ein Planet, ursprünglich für die Ortes bestimmt war den Menschen überlassen worden.

00:08:28: Und dann wurde das Entscheidende eingeblendet!

00:08:30: Die Koordinaten des Zielsystems.

00:08:33: Julia stürmte in die Zentrale ihren Helm unter dem Arm, ihr Gesicht war eine Maske der Besorgnis.

00:08:39: Was ist passiert?

00:08:41: Anna spielte die Sequenz erneut ab.

00:08:44: Siehst du

00:08:44: es?,

00:08:45: flüsterte sie.

00:08:46: Julias Augen weiteten sich.

00:08:48: Sie lehnte sich vor und stützte die Hände auf der Konsole ab als fürchte sie, den Halt zu verlieren.

00:09:21: Ungefährgleich zweihundertsechzig Lichtjahre.

00:09:24: Abstand zu Orta, einundvierzig Linkes ungefährgleich fünfundachtzig Licht jahre.

00:09:29: Julia atmete tief aus um ihre Fassung zu bewahren Doch ihre Hand die den Helm fest umklammerte war weiß vor Anspannung.

00:09:37: Das ist einer dieser seltenen Momente flüsterte sie mit belegter Stimme In denen ich mich einfach hinsetzen muss.

00:09:45: Agis oder Argas wiederholte Anna.

00:09:48: So heißt die Sonne.

00:09:50: Agis ist der zweite Planet.

00:09:52: Nur fünfundachtzig Lichtjahre von hier.

00:09:55: Wir brechen auf, erklärte Julia mit unerschütterlichem Entschluss.

00:10:00: Der Flug dauert etwa einen Tag.

00:10:02: wir nähern uns dem System vorsichtig und bleiben unsichtbar so lange es möglich ist.

00:10:08: Einverstanden.

00:10:09: Anders blick viel auf Enneas, der auf einem Sessel zusammengerollt lag Und nun blindzelte als habe er den Entschluß voraus geahnt Hell berechne die Zielkoordinaten für Agas, defensive Annäherung und sichere den gesamten Datenblock dieses Kristalls redundant.

00:10:27: Bestätigt meldete Häl.

00:10:30: Datenblock ist gesichert.

00:10:32: Sprung wird berechnet.

00:10:34: Während Die Nels Mandela dem Ziel zustrebte trat Julia neben Anna und legte ihr die Hand auf die Schulter.

00:10:40: Das ist das erste Mal seit Monaten", sagte sie leise Dass ich das Gefühl habe, wir flüchten nicht mehr vor unserer Vergangenheit.

00:10:48: Wir steuern endlich einer Zukunft entgegen und wir nehmen die ganze Geschichte mit, fügte Anna hinzu – die der Ort ist, die den menschlichen Raumsoldaten und jetzt auch unsere eigene!

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