Aufbruch - Kapitel 25 - Ortas

Shownotes

Ana und Julia suchen nach Spuren der Ortis oder der Baschur.

https://ana.turay.solimp.at

Transkript anzeigen

00:00:00: Kapitel Vierundzwanzig, Ortas.

00:00:02: Einenundreißigster Dezember Zwei-Tausendneun und Sechzig.

00:00:06: Fünf Tage später am einundreissigsten Dezmber Zwei tausendneuneunundsechzig erreichte die Nelson Mandela das System der Sonne Orters.

00:00:14: Die Besatzung war mit äußerster Vorsicht vorgegangen.

00:00:17: Je näher sie ihrem Ziel gekommen waren, desto kürzer wurden ihre Sprünge tappen.

00:00:22: Nach jedem Manövers genden Sie den Raum nach Anomalien, luden die Energiespeicher auf und setzten erst dann zum nächsten Sprung an.

00:00:29: Julia übernahm die Steuerung, ihre Hände lagen sicherer auf den Kontrollen als jene von Anna.

00:00:34: Sie bediente die Flugkonsolen mit einer Selbstverständlichkeit – als gehöre ihr der Raum zwischen den Sternen.

00:00:41: Ihr Kurs führte sie zunächst zum dritten Planeten.

00:00:44: Dieser war nicht wie die zweitgeborene in mehrere Teile zerbrochen.

00:00:48: Doch er hatte sich in eine radioaktive Wüste verwandelt.

00:00:51: Nach dem Angriff der Bashur war die Kruste erstarrt.

00:00:54: Doch unter der Oberfläche brodelte es noch immer!

00:00:57: Vulkanespien, Lava und Erdbeben rissen die Landschaft auf.

00:01:01: Als würde der Planet sich selbst zerfleischen!

00:01:03: Von Ozeanen war nichts geblieben – in den Senken sammelten sie lediglich Pfützen oder Sehen aus Schwefelsäure — die Atmosphäre glig einem tödlichen Giftgemisch.

00:01:13: Seit elftausend Jahren war hier alles Leben erloschen, die Ortes, ihre Städte und ihre Wälder waren vom Atomfeuer verschlungen worden.

00:01:20: Sie umkreisten dem Planeten mindestens dreißig Mal und suchten vergeblich nach intakten Gebäuden oder Bunkern.

00:01:26: Ortaß drei besaß, ähnlich wie die Erde einen Mond.

00:01:30: Dieser war kleiner als sein irdisches Pondong, ansonsten aber verblüffend ähnlich!

00:01:35: Er umrundete die tote Welt in einer Entfernung von rund fünfhundertausend Kilometern und zeigte ihr – durch die gebundene Rotation stets dieselbe Seite.

00:01:44: Seine Umlaufzeit betrug thirty-fünf Ortatage, wobei ein Ortatag sechsundzwanzig, fünf irdischen Stunden entsprach.

00:01:52: Auch die Rotationsachse des Planeten war, wie bei der Erde leicht geneigt.

00:01:56: Gortas III hatte sogar Jahreszeiten, dachte Anna.

00:02:00: Ein einstiges Paradies war zur Hölle geworden.

00:02:03: Da auf Orters III buchstäblich kein Stein mehr auf dem anderen lag, steuerten Julia und Anna den Mond an.

00:02:10: Schon nach wenigen Minuten Flug über dessen Oberfläche entdeckten sie die Überreste der orthesischen Zivilisation.

00:02:16: Ausgedehnte Ruinenfelder, die wirkten als wären Sie von einer unsichtbaren Faust zermeimt worden.

00:02:22: Nachdem sie sichergestellt hatten dass keine gefährliche Strahlung messbar setzte Julia die Nelson Mandela behutsam neben einer Ansammlung zerstörter Gebäude auf.

00:02:31: Die durchsichtige Kuppel, die die Siedlung einst vor dem Vakuum geschützt hatte, war zerborsten wie eine Eierschale – die künstliche Schwerkraft war längst erloschen!

00:02:40: Nur die natürliche Anziehungskraft von Nullkomma II I G wirkte auf sie eingerade genug um sich sicher zu Fuß fortbewegen zu können.

00:02:48: Sie schritten die Hauptstraße der zertrümmerten Siedlungen entlang.

00:02:52: Sämtliche Fenster der Gebäude waren durch die explosive Dekompression herausgerissen worden.

00:02:57: Die Häuser mit ihren schwarzen, leeren Öffnungen wirkten gespenstisch.

00:03:01: Am Ende der Straße erhob sich die Ruine eines größeren Gebäudes das in seiner Form einem standardisierten öffentlichen Gebäuse der Ortessglich wie sie von Hell erfuhren.

00:03:11: Dort – so hofften die beiden Frauen würden Sie vielleicht einen Hinweis auf das Schicksal der einstigen Bewohner oder gar auf die Barschuhe finden.

00:03:18: Das Innere des Gebäudes bot ein Bild vollkommener Zerstörung.

00:03:22: Deutliche Spuren einer Explosion waren erkennbar und zwischen den Trümmern lagen die entstellten Leichen der Ortess.

00:03:29: Auf einer Treppe, die in einen Kellerraum hinabführte, lag ein beinahe unversehrter Körper.

00:03:34: Offenbar war dieser Ortess bei der Dekompression umgekommen – das Vakuum hatte die Verwesung verhindert.

00:03:40: Anna betrachtete den toten Außerirdischen.

00:03:43: Sie kannte das Aussehen der Einwohner von Abbildungen Doch die Wirklichkeit traf sie unerwartet hart.

00:03:49: Die Ortes besaßen, wie Menschen zwei Arme und zwei Beine jedoch nur vier Finger und zehn – wobei ihre Zehen beinahe so geschickt wie ihre Hände gewesen waren.

00:03:58: Laut Aufzeichnungen konnten Sie Ihre Hautfarbe verändern.

00:04:02: Sie hatten zwei Augen und einen Mund aber keine Nase.

00:04:05: Sie rochen mit ihren Händen.

00:04:07: Wie genau dies funktionierte war unbekannt.

00:04:10: Ihre Körper waren unbeharrt und erreichten eine Größe von etwa hundertfünfzig bis hundredseptzig Zentimetern.

00:04:16: Aus der Ferne hätte man sie leicht mit Menschen verwechseln können.

00:04:20: Vorsichtig stiegen Sie in den Keller hinab!

00:04:22: Es war stockdunkel, nur die Scheinwerfer ihrer Helme schnitten gleißende Lichtkegel in den von Ihnen aufgewirbelten Staub.

00:04:29: Anna spürte wie ihre Nervosität wuchs das Gefühl dass hinter jeder Ecke etwas lauern könnte war überwältigend.

00:04:37: Reist dich zusammen befahl sie sich selbst.

00:04:39: Ich kann es kaum erwarten hier wieder rauszukommen funkte Julia zu Anna.

00:04:44: Die Stille des Vakums machte die Sénerie noch unheimlicher.

00:04:48: Sie betraten einen langen Gang, von dem mindestens zwanzig Türöffnungen abzweigten.

00:04:53: Alle Türen standen offen – wahrscheinlich von der Druckwelle der Dekompression aufgedrückt.

00:04:58: In vielen Räumen lagen tote, darunter waren auch Kinder der Ortis.

00:05:03: Diese Wesen liegen hier schon seit elftausend Jahren, flüsterte Anna.

00:05:07: Anna und Julia hätten sie gerne bestattet aber es waren zu viele!

00:05:11: und zudem waren ihnen die Bestattungsriten der Ortes unbekannt.

00:05:15: Am Ende des Ganges fanden sie eine schwere, verschlossene Tür – war es eine Schleuse?

00:05:21: Ein

00:05:21: Tresor?!

00:05:22: Was sich dahinter verbarg ließ sich nicht erkennen!

00:05:25: Alle Versuche, Sie zu öffnen, schlugen fehl.

00:05:28: Julia jedoch hatte vorsorglich Haftbomben von der Nelson Mandela mitgebracht.

00:05:33: Die Anzugskomputer berechneten die benötigte Menge Sprengstoff- und den notwendigen Sicherheitsabstand.

00:05:39: Sie zogen sich auf die empfohlene Distanz zurück.

00:05:42: Es folgte ein Greller Blitz und die Tür wurde aus ihren Angeln gehoben.

00:05:46: Hinter dem Eingang stolperten sie über eine mumifizierte Leiche.

00:05:50: Offenbar hatte in diesem Raum noch eine Atmosphäre existiert, die erst durch die Sprengung entwichen war.

00:05:56: Der Tote war nicht verwest – ärglich einer ägyptischen Mumie!

00:06:00: Verdurstet oder an Sauerstoffmangel erstickt, schätze ich, überlegte Anna.

00:06:05: In seiner Hand hielt der Tote einen Kotgeber.

00:06:08: Anna sah sich um.

00:06:09: Im Licht ihres Helmscheinwerfers erkannte sie einen Tisch und zwei Stühle, etwas kleiner als menschliche Möbel aber dennoch nutzbar.

00:06:17: An der hinteren Wand thronte ein großer Schrank mit zahlreichen Schubladen.

00:06:21: Wahrscheinlich ließen Sie sich mit dem Kotgeber öffnen vorausgesetzt Der Schrank führte nach elf Jahrtausenden noch Strom.

00:06:28: Doch auch der Kotgeba war stromlos.

00:06:30: Das sollte kein Problem sein.

00:06:32: Ihre Ortisanzüge waren kompatibel und konnten solche Geräte mit Energie versorgen.

00:06:37: Sobald die kabellose Verbindung stand, leuchtete nach wenigen Minuten ein grünes Lämpchen am Kotgeber auf.

00:06:44: Grün hatte bei den Ortis eine ähnliche Bedeutung wie bei den Menschen.

00:06:48: Ungeduldig nahm Anna das Gerät und versuchte, den Schrank zu öffnen ohne Erfolg.

00:06:53: Der Schrank selbst braucht ebenfalls Strom vermutete Julia.

00:06:57: Am besten versorgen wir ihn wieder über unsere Anzüge.

00:07:01: Da weder an der Frontseite noch an den Seitenwänden des Schranks Anschlüsse oder Ähnliches erkennbar waren vermutete Julia diese auf der Rückseite.

00:07:09: Das Möbelstück ließ sich jedoch keinen Millimeter bewegen, also machten sie sich auf die Suche nach Werkzeug.

00:07:15: Zwei Räume weiter fand Anna eine stabile Metallstange, deren ursprünglicher Zweck wohl für immer ein Geheimnis bleiben würde.

00:07:23: Mit vereinten Kräften und geschickter Hebelwirkung gelang es ihnen den Schrank etwa zehn Zentimeter von der Wand wegzuschieben.

00:07:29: Dahinter kamen einen Kabelanschluss.

00:07:36: Julia koppelte ihren Anzug an.

00:07:38: Nach nicht allzu langer Zeit leuchteten die grünen Dioden an jeder Schublade auf, Anna hielt den Kotgeber an die linke obere Schublad und betätigte ihn.

00:07:47: Die Lade glitt heraus.

00:07:49: Darin steckten sicher verwahrt in durchsichtigen Höhlen einhundertundzwanzig Platinen orthisischer Bauart.

00:07:56: In deren Mitte saß jeweils ein Datenkristall Ein externer Datenträger der Ortess.

00:08:01: nachdem sie hell ein Bild von ihrem Fund gesendet hatten Erfuhren Sie genaueres.

00:08:06: Die Kapazität pro Kristall betrug achthundert Peter Beid, Anna rechnete leise vor, sechzehn Rheinmal fünf Fächer mal hundertundzwanzig Kristalle.

00:08:15: Das sind Zehntaus zweihundertvierzig Datenkristalle falls alle fächer gleich voll sind.

00:08:21: Der gesamte Schrank enthielt wie er hofft nur Datenkistalle.

00:08:25: Wenn da etwas für uns nützliches drauf ist sind wir die größten Glückspilze des Universums meinte Julia skeptisch.

00:08:32: Ansonsten schleppen wir das Zeug umsonst zum Schiff.

00:08:35: Zum Glück haben wir für das Schleppen unsere Roboter, erwiderte Anna erleichtert.

00:08:40: Sie riefen die beiden Bordroboter, die den Fund zur Nelson Mandela transportieren sollten.

00:08:45: Erst als die Fracht sicher an Bord war, verließen Anna und Julia den unheimlichen Ort.

00:08:51: An Bord des Schiffs begann nun die monotone Arbeit.

00:08:54: Jede Platine musste in ein Terminal eingelegt werden, um den Inhalt zu prüfen.

00:08:59: Eine manuelle Durchsicht von über zehntausend Kristallen war undenkbar.

00:09:03: Also trafen sie eine Entscheidung, die Roboter würden das Einlegen der Datenkristalle übernehmen.

00:09:09: Hell sollte die Bestände nach Begriffen wie Barschur, Mensch, Erde oder Informationen über den Kriegsverlauf durchsuchen.

00:09:15: Bei Treffern würden die Frauen den Inhalt selbst prüfen.

00:09:19: Die Voraussetzung war jedoch dass die Daten nicht verschlüsselt waren.

00:09:23: Hell schätzte dass die Dekodierung eines einzelnen Kristalls bei Verwendung der Standardverschlüsselung der Ortess zwei bis drei Millionen Jahre dauern würde.

00:09:31: Sollte jeder Datenträger individuell verschlüsselt sein, wagten die Frauen erst gar nicht nach der Dauer zu fragen.

00:09:38: Dafür habe ich definitiv zu wenig Zeit, stellte Anna trockenfest.

00:09:43: Sie ließen die Roboter und Häl ihre Arbeit tun und zogen sich in die Kombüse zurück.

00:09:47: Beim Abendessen kamen sie unweigerlich auf ihre Lage zu sprechen.

00:09:51: Julia äußerte eine beunruhigende Befürchtung.

00:09:55: Was, wenn Jeffrey sich unbemerkt zum heimlichen Diktator aufschwang?

00:09:59: Wären die Bevölkerung glaubte in einer Demokratie zu leben könnten alle wichtigen Persönlichkeiten nach seiner Pfeife tanzen überzeugt es sei ihr eigener Wille.

00:10:08: Anna wollte zunächst widersprechen doch dann hielt sie inne und erinnerte sich an ein historisches Vorbild.

00:10:15: du könntest recht haben gab sie schließlich zu.

00:10:18: Vor über zweitausend Jahren hat Kaiser Augustus in Rom die Republik faktisch abgeschafft, während die meisten Bürger glaubten er habe sie gerettet.

00:10:26: Jeffrey versucht vielleicht Ähnliches nur mit den Mitteln von Gehirnwäsche und Ortestechnologie.

00:10:32: Das Gespräch wanderte zu privateren Dingen – zu Ken und Xiao.

00:10:37: Sie spendeten einander Trost wenn die Erinnerungen zu schmerzhaft wurden.

00:10:41: Julia gestand ihre Angst dass die zehn Jahre Verbanung ihrer Psyche schaden könnten.

00:10:46: Keiner von ihnen wusste, wie es war so lange ohne weitere soziale Kontakte mit nur einer einzigen Person an der Seite auszukommen.

00:10:54: Die unausgesprochene Angst vor einem ernsthaften Streit oder davor sich eines Tages zu hassen lag schwer zwischen ihnen.

00:11:01: Schließlich gaben sie sich ein Versprechen – selbst nach dem schlimmsten Disput würden Sie weiterreden und stets versuchen die Argumente der anderen zumindest zu verstehen!

00:11:13: Anna setzte die Kopfhörer auf und ließ The Dark Side of the Moon von Pink Floyd erklingen.

00:11:18: Der Song A Time traf sie mit unerwarteter Härte, Die Zeile von den zehn Jahren, die man hinter sich her schiebt, passte erschreckend genau auf ihre Situation.

00:11:27: Bei THE GREAT GIG IN THE SKY dachte sie an die Gefahren, die vor ihnen lagen Und an ihrer eigene Angst vor der Zukunft und dem Tod.

00:11:43: You've gotta go some time.

00:11:44: Wenn ich die Kraft dazu finde, will Ich versuchen so zu denken, nahm sie sich vor.

00:11:49: Als Die letzten Akkorde von Eklipse verklungen waren, schlossen Sich Annas Augen von selbst.

00:11:55: Sie fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.