Aufbruch - Kapitel 22 - Besuche
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00:00:00: Kapitel – Zweiundzwanzig Besuche, Zweiter November – Zweitausendneunundsechzig bis Fünften November – Zwetausend neunund sechzig.
00:00:08: Nicht einmal vierundzwantig Stunden später Begriff Anna was es bedeutete eine Heldin zu sein.
00:00:14: Zumindest eine jener Heldinnen die Jeffrey für seine Zwecke benötigte.
00:00:18: Über sämtliche Kanäle der Erde flutete.
00:00:20: Eine sorgfältig komponierte Dokumentation Imperium Romanum Die Reise zur Rettung der Menschheit.
00:00:27: Anna und Julia wurden als mutige Pionierinnen gefeiert, die für das Fortbestehen der Spezies alles gewagt hatten.
00:00:34: Und inmitten jeder Sequenz – in jedem Interview-Ausschnitt – erschien er Jeff Lee Carlson.
00:00:39: Lächelnd, väterlich!
00:00:41: Der strahlende Mittelpunkt eines perfekt inszenierten Universums.
00:00:45: Ken Morgan wurde Postum zum Nationalhelden erklärt.
00:00:49: Man munkelte bereits von einem Denkmal in London.
00:00:52: Am empörensten jedoch war der unterschwellige Hinweis Der entscheidende Plan zur Abwehr der Maruk beim Angriff auf die Myris sei im Kern die Idee von Julia und Anna gewesen.
00:01:01: Alles war markellos geschnitten und vertont Anna und Julia, die Retterinnen der Menschheit.
00:01:07: Anna saß in ihrer Wohnung tiefem Eis von Ghanimet, die Hände um ein Glas mit lauwarmem Wasser geklammert – und starte auf den Bildschirm.
00:01:14: Sie sah sich selbst lachen, reden, entschlossen wirken.
00:01:18: Eine Fremde blickte ihr entgegen!
00:01:20: Das bin ich nicht, flüsterte sie in den leeren
00:01:23: Raum.".
00:01:24: Oder doch.
00:01:25: Aber nicht so!
00:01:27: Als Kenz Gesicht kurz aufblitzte, sein lässiges Lachen das sie so gut gekannt hatte, zuckte sie zusammen.
00:01:34: Die Erinnerung war noch viel zu frisch.
00:01:36: Es klopfte Julia stand in der Tür und sie war nicht nur wütend Sie war der Zorn in Person.
00:01:42: Hast du diesen Mist gesehen?
00:01:44: fuhr sie Anna an Noch bevor sie den Raum ganz betreten hatte.
00:01:48: Er degradiert uns zu seinen Statisten Zuwilligen Mitläuferinnen Wenn ich mein verdammtes Wort nicht gegeben hätte.
00:01:56: Anna nickte müde.
00:01:58: Ich weiß, das wurde von langer Hand vorbereitet.
00:02:01: Die Sendeplätze der Schnitt Das ist keine Dokumentation Das ist reine Propaganda Propagandawiederholte Julia Bitter Und wir sind die Poster Girls.
00:02:18: Ich muss Christine und Xiao finden, rief sie.
00:02:26: Und ihre Stimme bebte vor unterdrücktem Groll.
00:02:29: Xiao hatte nicht mehr geschrieben.
00:02:31: Wahrscheinlich dachte er – Sie habe das Interesse an ihm verloren!
00:02:35: Wie hätte er ahnen sollen, was in der Zwischenzeit wirklich geschehen war?
00:02:39: In ihr keimte die Hoffnung, dass zwischen ihm und ihr noch nicht alles verloren sei.
00:02:44: In Nairobi war Xiao nicht mehr gemeldet.
00:02:47: Anna vermutete, daß er nach Hongkong zurückgekehrt und setzte nun all ihre Hoffnung auf Christine.
00:02:53: Vielleicht wusste die Freundin mehr!
00:02:55: Der rote Kreis unterhielt seit kurzem einen regelmäßigen Schattelverkehr zwischen Ghanimet und einigen Großstätten.
00:03:02: Anna buchte einen Platz für den nächsten Flug nach Paris.
00:03:05: Im Badezimmerspiegel band sie sich ein dunkles Tuch um ihr langes Haar, und setzte eine große Sonnenbrille auf.
00:03:11: Eine einfache Tarnung für ein Gesicht das plötzlich die ganze Welt zu kennen schien.
00:03:16: Geld war kein Hindernis.
00:03:18: Zwei Jahresgehälter waren auf das Konto einer amerikanischen Bank geflossen, über dass sie frei verfügen konnte.
00:03:24: Der Gedanke daran hinterließ einen Faden Nachgeschmack.
00:03:27: Wie viel kostet ein Gewissen?
00:03:30: Sie schob den Gedanken beiseite.
00:03:32: Zynismus halb jetzt nicht weiter!
00:03:34: Der Landeanflug auf Paris war grau und von einer Herben-Schönheit zugleich.
00:03:39: Anna beobachtete wie sich die Stadt unter ihr ausbreitete – Das Band des Flusses, Die Boulevards, Die Hellenlinien der Straßen.
00:03:46: Paris ist schön, dachte sie mit einem Anflug von Melancholie.
00:03:50: Viele Städte dieser Erde sind wunderschön!
00:03:53: Unsere Erde ist ein Juwel in der unendlichen Schwerze.
00:03:56: Auf dem Weg zum Anschlussflug nach Bielefeld spürte Anna die Blicke neugieriger Passanten.
00:04:02: Einige musterten sie ein zweites Mal unsicher ob sie tatsächlich die Frau aus den Nachrichten vor sich hatten.
00:04:08: An einer Wand prankte ein Plakat mit ihrem Konterfei.
00:04:11: Sie hielt einen Moment zu lange davor inne bevor sie schnellen Schrittes weiter ging.
00:04:16: In der Empfangshalle des Pariser Flughafens angekommen, rief sie Christine an.
00:04:21: Nach dem dritten Klingeln meldete sich die vertraute Stimme warm und lebendig.
00:04:26: Anna meine interstellare Heldin du hast mich also nicht vergessen.
00:04:31: Im Hintergrund hörte man Christian, Kristines Ehemann leise nachfragen und dann lachen Annabat inständig darum diskret zu bleiben.
00:04:40: Ich würde euch heute gerne besuchen.
00:04:43: wenn das okay ist Dann bitte diskret und kein Aufsehen.
00:04:46: Wir freuen uns schon sehr auf dich, und natürlich plaudern wir nicht aus, dass du zu uns kommst", betätigte Christine.
00:04:54: Wir machen Pasta!
00:04:55: Und Du erzählst nur das was Du wirklich erzählen willst.
00:04:59: Der Abend bei Christine war genau das, was Anna brauchte – Wärme, Normalität und unaufdringliche Herzlichkeit.
00:05:06: Es gab Wein der nach gemeinsamer Zeit schmeckte und das sanfte Wechselspiel von Erinnerungen und leisem Lachen.
00:05:13: Christian verhielt sich ruhig und aufmerksam, füllte die Gläser nach ohne die Vertraulichkeit zu stören.
00:05:19: Anna bemerkte die kleinen Gästen, die zeigten wie gut er Christine tat.
00:05:24: Sie freute sich für ihre Freundin doch in ihr regte sich ein leiser Stich der Sehnsucht.
00:05:29: Später als Christian in der Küche beschäftigt war rückte Christine näher Und Xiaoh fragte sie leise.
00:05:37: Anna holte Tiefluft.
00:05:39: Er hat nicht mehr geschrieben.
00:05:41: Er konnte nicht wissen, ich will ihn finden.
00:05:44: Christine nickte.
00:05:46: Sie holte einen Zettel hervor, sorgfältig beschrieben mit einer Adresse in Shanghai, einer Klinik und einer Durchwahlnummer.
00:05:53: Ein Kollege hat mir geholfen das herauszufinden.
00:05:56: sagte sie sanft Sei nicht böse auf Xiao.
00:05:59: Menschen sind verletzlich wenn sie so lange im Ungewissen gelassen werden.
00:06:04: Am nächsten Morgen verabschiedete sich Anna früh unbemerkt Keine Fotos keine neugierigen Nachbarn.
00:06:11: Christine hatte Wort gehalten, Christian drückte kurz ihre
00:06:15: Hand.".
00:06:16: Pass auf dich auf", sagte er leise und es klang aufrichtig.
00:06:21: Shanghai empfing sie mit einer feuchtheißen Luft die sich wie eine zweite Haut um sie legte In der Klinik gelanges ihr nach mehreren Versuchen XIAO an den Apparat zu bekommen.
00:06:31: Als sie ihren Namen nannte entstand eine lange schwere Pause nicht kühl sondern erfüllt von tiefer Überraschung.
00:06:38: Sie vereinbarten ein Treffen in einem Restaurant nahe dem Stadtzentrum.
00:06:43: Auf dem Weg dorthin war Anna so nervös wie vor ihrer ersten Verabredung, sie erinnerte sich an seine Art zuzuhören still und konzentriert.
00:06:52: Sie fragte sich welches Bild von ihr in seinem Kopf existierte – die Forscherin, die Verschwundene, die Heldin oder die Verräterin?
00:06:59: Xiyao war plötzlich da als wäre die Zeit nie stehen geblieben.
00:07:04: Er trat auf sie zu Und für einen Moment schien sich die Welt neu zu ordnen.
00:07:08: Sie umarmte ihn und küsste ihn auf die Wange, eine Geste, die direkt vom Herzen kamen, bevor der Verstand einschreiten konnte.
00:07:16: Sie setzten sich.
00:07:17: Xiao nahm ihre Hände, sah ihr fest in die Augen und begann in jenem ruhigen, ernsten Ton zu sprechen – mit dem er wohl auch seinem Patienten schwierige Diagnosen mitteilte.
00:07:27: Anna!
00:07:28: Du warst, nein, du bist die Liebe meines Lebens.
00:07:31: Ich habe ein halbes Jahr auf eine Nachricht von dir
00:07:33: gewartet.".
00:07:34: Ich konnte nicht wissen, was ich erst seit wenigen Tagen aus den Nachrichten erfahre.
00:07:39: Du konntest nicht antworten und ich dachte du hättest aufgehört mich zu
00:07:43: lieben.".
00:07:45: Er atmete tief ein.
00:07:47: Mir wurde eine Stelle hier in Shanghai angeboten.
00:07:50: Ich habe gezögert bis zum letzten Tag.
00:07:53: Dann habe ich zugesagt.
00:07:55: Ich dachte, du hattest mich vergessen!
00:07:57: Vor einigen Monaten lernte ich jemanden kennen – und sie ist schwanger.
00:08:03: Wir werden heiraten.
00:08:05: Anna spürte, wie etwas in ihr nachgab.
00:08:08: Es war kein plötzliches Brechen Sondern ein langsames schmerzhaftes Weichen.
00:08:13: In ihrem Kopf jagten sich Bilder Kaffee mit Xiao in Nairobi Der Duft von Regen Nachrichten die man doppelt las Um das Glück fest zu halten Und all'die Briefe Die sie nicht abgeschickt hatte.
00:08:25: Jeder von ihnen fühlte sich nun Wie ein stiller Verrat an.
00:08:29: Ich begann Sie Doch die Worte versiegten.
00:08:32: Sie erhob sich, nicht fluchtartig aber mit Tränen in den Augen.
00:08:36: Ein letzter Stummerblick dann lief sie aus dem Lokal.
00:08:40: Es war keine Flucht vor Xiao oder vielleicht doch draußen schlug ihr die warme lärmende Nachtschang heiß entgegen.
00:08:48: Neonlichter spiegelten sich in den Pfützen stimmen und Verkehrslärm umspülten sie.
00:08:53: Sie ging schnell.
00:08:54: immer schneller atmete flach zurück Zurück nach Ghanimet, wo sie ihr Gesicht nicht verbergen musste und wo sie Trost finden würde.
00:09:02: Dort oben in der Faszination des Weltraums würde ihr keine Zeit für Liebeskummer bleiben.
00:09:08: Ihr altes Telefon vibrierte.
00:09:11: eine Nachricht von Xiao – kurz und schlicht Wenn du reden willst ich bin hier.
00:09:17: wenn nicht werde ich trotzdem auf dich warten Nicht als ein Mann der Forderungen stellt sondern als ein Freund der weiß dass man Wege auch sanft beenden kann.
00:09:27: Anna blieb stehen.
00:09:28: Sie lehnte die Stirn gegen das kühle Metallgeländer einer Brücke, sanft beenden.
00:09:34: Vielleicht war es die einzige Möglichkeit, die Dinge nicht noch schwerer zu machen?
00:09:38: sie tippte eine Antwort löschte sie wieder.
00:09:41: dann schrieb sie Danke ich melde mich und alles Gute für euch!
00:09:47: Sie blickte hinauf in den trüben orangefarbenen Himmel Scharnheiß hinter dem keine Sterne zu sehen waren obwohl sie wusste dass dort unendlich viele auf sie warteten.
00:09:57: Dann rief sie das Reisebüro an, verlangte den nächsten freien Platz und sagte mit fester Stimme.
00:10:08: Die Stimme am anderen Ende klang übermütet aber professionell.
00:10:12: Bestätigt!
00:10:24: Anna beendete das Gespräch.
00:10:27: Sie atmete die Feuchte fremde Luft tief ein, sie hatte nun eine Richtung zurück in die Kälte und die Klarheit Ghanimets.
00:10:35: Und vielleicht dachte sie während sie die Brücke überquerte würde Xiyahu irgendwann nur noch eine schöne ferne Erinnerung an ihre Jugend sein.
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