Aufbruch - Kapitel 19 - Ankuft

Shownotes

Die Myries verhandeln mit Geoffrey und Demeter.

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00:00:00: Kapitel XIX, Ankunft.

00:00:02: Zweiter September, two-tausendneunundsechzig bis vierzehnten Oktober, zwei-tau-naunund sechzig Die Ghanimetstation lag still im ewigen Eis des Mondes.

00:00:13: Im Observatorium war die Kuppel weit geöffnet.

00:00:16: Draußen funkelten ferne Sterne Während Jupiter als titanische Masse das Bild beherrschte.

00:00:22: Dann brach der Alarm los.

00:00:24: Erst ein gedämpftes Heulen Das durch die metallischen Gänge der Station rollte dann der scharfe, unmissverständliche Ton der allgemeinen Einsatzbereitschaft.

00:00:34: Die Statusanzeigen in der Leitstelle sprangen von einem friedlichen Grün auf ein warnendes Gelb – Auf den Kontrollpanels flackerten die symbiotischen Symbole des orthesischen Abfangprotokolls auf.

00:00:46: Demeter meldete sich mit ihrer gewohnt ruhigen Stimme und benannte die Ursache.

00:00:51: Ein unbekanntes Schiff war unautorisiert in den äußeren Rand des Sonnensystems eingedrungen.

00:00:56: Ohne eine Millisekunde zu zögern aktivierte die Superintelligenz fünf der onehundertneunundachtzig im Asteroidengürtel verborgenen Schlachtschiffe.

00:01:06: Drei Einheiten nahmen Kurs auf die Erde, um den Heimatplaneten zu schirmen.

00:01:11: Zwei weitere Beschleunigten, um dem Eindringling zu stellen, zu identifizieren und – falls notwendig – zu neutralisieren!

00:01:19: Verdammt was ist das?

00:01:21: Rief einer der Techniker, die Hände zitternd über den blinkenden anzeigen.

00:01:26: Andere Alten an ihre Stationen.

00:01:28: Stimmen überschnitten sich, während das Signal des Einsatzalarms den Puls der Anwesenden in die Höhe trieb.

00:01:35: Die Vorstellung der gewaltigen Schiffe – die nun wie erwachende Götter aus Stahl aus ihren Verstecken stießen – ließ die Leitstelle für einen Moment verstummen.

00:01:44: Jeffrey stand im Zentrum der Zentrale, die Hände fest auf die Konsole gestützt.

00:01:50: Seine Fingerkuppen waren weiß vor Anspannung doch sein Gesicht blieb eine reglose Maske.

00:01:56: In ihm Rangen entsetzen und Pflichtbewusste Entschlossenheit.

00:02:00: In Krisen wie dieser fühlte sich die Last der Entscheidungen, die er seit Menschenleben im verborgenen Traf besonders schwer an.

00:02:08: Die Mittel, die zum Schutz der Menschheit notwendig waren drückten auf sein Gewissen auch wenn er wusste dass es keine Alternative gab.

00:02:17: Das Sonnensystem Sein Refugium war entdeckt worden.

00:02:21: Er hoffte inständig das die Ankömmlinge in Friedenkamen.

00:02:25: Doch die Lehren der Vergangenheit.

00:02:28: Besonders die Tragödie von Ika Pegasi ließen ihn das Schlimmste befürchten.

00:02:33: Wieso oft in Momenten höchster Not schoss ihm die missglückte Expedition in den Kopf?

00:02:39: Er hatte Demeter oft um eine zweite Rettungsmission gebeten, doch sie hatte mit eisiger Logik abgelehnt – dass statistische Risiko sei zu hoch!

00:02:48: Vielleicht waren genau diese Eindringlinge für das Scheitern verantwortlich, dachte Jeffrey….

00:02:54: und der Gedanke schmeckte bitter wie Galle.

00:02:56: Er spürte, wie sich seine Brust zusammenzog.

00:03:00: Ein Teil von ihm wollte Ruhe bewahren – doch sein Blick auf die warnenden Symbole duldete kein Zögern.

00:03:07: Alle Systeme doppelt prüfen!

00:03:09: Befahl er mit einer Stimme, die so fest- und autoritär klang, dass sie keinen Widerspruch zuließ.

00:03:15: Die zwei Abfangschiffe fädelten sich präzise in ihre Positionen ein.

00:03:21: Ihre Schutzschirme wurden hochgefahren und hüllten den leeren Raum in ein milchiges Leuchten, während die Energiewaffen automatisch entsicherten.

00:03:29: Ein stummes, unübersehbares Versprechen von Gewalt.

00:03:34: Parallel dazu ließ Jeffrey auf Demeters Anraten den diplomatischen Kanal öffnen.

00:03:40: Zuerst in der melodiosen Sprache der Ortes – dann mangels bessere Alternativen auf Englisch – sannte er die Botschaft.

00:03:50: Identifizieren sie sich sofort.

00:03:53: Sie dringen in das gesicherte Hoheitsgebiet der Terranischen Union ein, nennen sie ihre Absichten.

00:04:00: Terranische Union Der Name war ihm in der Hitze des Augenblicks eingefallen.

00:04:06: Eine nützliche Lüge eine Hoffnung die sich dennoch überraschend richtig anfühlte.

00:04:12: Es war einer jener improvisierten Momente Die seine Begabung für strategische Täuschung offenbarten eine Fähigkeit die er über ein Jahrhundert lang perfektioniert hatte.

00:04:22: Die Antwort kam so schnell, dass die Leitstelle sie kaum verarbeiten konnte.

00:04:27: Jeffrey – Terranische Union.

00:04:30: Ist das nicht ein wenig dick aufgetragen?

00:04:33: Aber der Name fühlt sich gut an!

00:04:36: Die Stimme aus den Lautsprechern war unverkennbar warm und vertraut.

00:04:41: Julia Rief Jeffrey unglaublich Und seine Stimme brach beinahe Ein leises, emotionsgeladenes Ja Jeffrey, ich bin's", war die Antwort.

00:04:52: Einen Atemzug lang hielt er die Luft an.

00:04:55: Sein Verstand weigerte sich, die Rückkehr der Verlorenen zu akzeptieren.

00:05:00: Dann brach überall auf der Station ein Sturm des Jubels los.

00:05:04: Menschen fielen einander in die Arme, Gelächter und Tränen der Erleichterung mischten sich in den Korridoren.

00:05:11: Hallo!

00:05:12: Ich bin es auch noch!

00:05:13: meldete sich eine zweite ruhigere Stimme.

00:05:16: Für Jeffrey war es der erlösendste Satz, den er je gehört hatte.

00:05:21: Ihm wurde schwindelig vor Erleichterung – seine Knie fühlten sich weich an!

00:05:26: Na Ken, hattest ihr da draußen die Rede verschlagen?

00:05:30: fragte er halb im Scherz in der Gewissheit das auch Ken an Bord war.

00:05:35: Es folgte eine Sekunde der Stille Dann noch eine, die sich wie Eine Ewigkeit diente.

00:05:42: Als Julia widersprach War ihre Stimme so leise dass sie elektronisch verstärkt werden musste und sie war von einem unsagbaren Schmerz erfüllt.

00:05:51: Ken ist nicht bei uns, Jeffrey.

00:05:54: Ken is tot!

00:05:56: In der Leitstelle stand die Zeit still.

00:05:59: Der Jubel.

00:06:00: er starb so abrupt als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

00:06:04: Jeffrey legte die Hand flach auf die Konsole, um sich abzustützen.

00:06:09: Die Wucht der Nachricht traf ihn mit aller Kraft.

00:06:13: Verstanden sagte er schließlich mit einem heiseren Flüstern.

00:06:17: Mehr brachte er nicht hervor, es war zu viel!

00:06:21: Dann übernahm eine dritte mechanische Stimme das Wort Der universelle Übersetzer des Fremden Schiffs.

00:06:29: Wir sind Angehörige des Volkes der Myris.

00:06:32: Bei uns an Bord befinden sich die Menschen Julia Andretti und Anna Turei.

00:06:37: Diese Personen sind vor einem myrischen Gericht der Beihilfe zum Völkermord angeklagt.

00:06:43: Von ihnen erfuhren wir von ihrer Existenz.

00:06:47: Um das Verfahren einstellen zu können, benötigen wir einen unwiderlegbaren Beweis den die Untersuchungsrichterin durch ein Gespräch mit der Superintelligenz Demeter zu erhalten hofft.

00:06:58: Daher ersuchen wir die Terranische Union formell um Landeerlaubnis.

00:07:03: Bis zum Abschluss des Verfahrens ist es den Angeklagten nicht gestattet das Schiff zu verlassen.

00:07:10: Jeffrey zwang seine Stimme zur Professionalität Obwohl sein Inneres bebte.

00:07:15: Landeerlaubnis wird erteilt, Koordinaten und Vektor werden übermittelt.

00:07:22: Demeter wandte er sich an die Superintelligenz.

00:07:25: Willst du mit ihnen sprechen?

00:07:28: Natürlich Jeffrey.

00:07:30: Ich heiße Die Vertreter der Myris willkommen antwortete die SI sofort.

00:07:36: Ihr Tonfall war nun einladend und gastfreundlich Eine verblüffende Wandlung gegenüber dem eben noch kriegerischen Kommando.

00:07:44: Jeffrey war dankbar für diese Anpassungsfähigkeit, die so oft seine eigenen weniger transparenten Handlungen ermöglicht hatte.

00:07:52: Die Sternenwanderin – das elegante Schiff der Myris – setzte mit atemberaubender Präzision in der Nähe eines Hangars auf.

00:08:00: Drei Besucherinnen Frau Irof ,die Untersuchungsrichterin Ostur und die Staatsanwältin Krinsu folgten einem Transportmodul zur Empfangschleuse.

00:08:10: Dort wartete Jeffrey mit einer Delegation von zehn Mitgliedern des Roten Kreises.

00:08:16: Ihre Gesichter waren ernst, die Nervosität mühsam gezügelt.

00:08:20: Keiner von ihnen hatte je einen lebendigen Außerirdischen gesehen und dann standen sie vor ihnen Wesen deren Gestalt an riesige aufrechte Ameisen erinnerte gehüllt in glänzende Raumanzüge ,die eine fremde Selbstsicherheit ausstrahlten.

00:08:37: Ein kurzer, hölzener Smalltalk folgte.

00:08:40: Höfliche Worte die Brücken bauen sollten während die Menschen noch damit kämpften das Unbegreifliche zu verarbeiten.

00:08:47: Bald baten die Myri's darum allein mit Demeter zu sprechen.

00:08:52: Jeffrey führte sie in den benachbarten Hörsaal.

00:08:56: In der Mitte des Raumes tronte das Hologramm einer antiken griechischen Statue Demeter – Die Göttin der Fruchtbarkeit aus markellosen virtuellem Marmor.

00:09:06: Jeffrey lächelte unwillkürlich über den tiefgründigen Humor der

00:09:10: S.I.,

00:09:10: sie wählte ihre Erscheinungsformen stets mit bedachter Symbolik, er verabschiedete sich mit einer knappen Verbeugung.

00:09:18: – wir sind nun unbeobachtet!

00:09:21: Was kann ich für Sie tun?

00:09:23: Er öffnete Demeter das Gespräch nicht auf Englisch sondern in der komplexen Zisch- und Klicksprache der Myris.

00:09:31: Sie hatte deren Übersetzungsgerät in Sekunden analysiert.

00:09:35: Ein souveräner Schachzug voll tiefen Respekts.

00:09:39: Das Gespräch dauerte Stunden.

00:09:41: Draußen lief der Alltag gedämpft weiter.

00:09:44: Jeffrey schritt Wege ab, die ihm sonst kurz vorkamen – heute aber kein Ende fanden!

00:09:50: Er trank Kaffee, der kalt und schal wurde.

00:09:54: Immer wieder blieb sein besorgter Blick an der geschlossenen Tür hängen.

00:09:58: Eine fast paranoide Unruhe nagte an ihm.

00:10:02: Was wenn demeter Dinge preisgab?

00:10:04: die nicht für fremde Ohren bestimmt waren, die Protokolle ihrer geheimen Entscheidungen?

00:10:10: Er schüttelte den Gedanken ab.

00:10:13: Demeter war loyal!

00:10:15: Ihr Bündnis war tief und unzerbrechlich, gegründet auf gegenseitiger Abhängigkeit und einem Ziel das über allen demokratischen Prozessen stand.

00:10:25: Endlich öffnete sich die Tür – Die Delegation der Myris trat heraus.

00:10:30: ernst aber Frau Iroff verkündete über die Stationslautsprecher.

00:10:36: Die Staatsanwältin Krinsu hat nach Bestätigung der Faktenlage durch die Superintelligenz-Demeter, die vollständige Einstellung des Verfahrens veranlasst.

00:10:46: Anna Turei und Julia Andretti sind mit sofortiger Wirkung frei.

00:10:51: Ein zweiter Jubel halte durch die Station – diesmal als Welle purer Erleichterung.

00:10:57: Es folgten Tage intensiver Verhandlungen.

00:11:01: Frau Krinsu und Frau Ostur sprachen mit umfassenden Vollmachten für ihr Volk.

00:11:07: Ein historischer Freundschafts- und Beistandspakt wurde ausgehandelt, die Müris erkannten Jeffrey offiziell als provisorischen Präsidenten der Terranischen Union an.

00:11:17: Es wurde festgelegt, dass ein künftiges frei gewähltes Parlament der Menschheit diesen Vertrag ratifizieren müsse – ein Pakt auf Augenhöhe trotz des technologischen Gefälles.

00:11:28: Jeffrey unterzeichnete mit ruhiger Hand Doch innerlich triumphierte er.

00:11:34: Diese Anerkennung war der Legitimationsschub, den er für seinen langfristigen Plan brauchte – die Einigung der Menschheit, notfalls gegen jeden Widerstand!

00:11:44: Dann kam der Teil, der selbst die nüchternsten sprachlos machte.

00:11:48: Die Myris gewährten der Menschheid einen zinsenlosen Entwicklungskredit von atemberaubender Größe in Form von Fertigungsanlagen und Blaupausen.

00:11:57: Demeter bezifferte den Wert später auf das Dreißigfache des globalen Bruttosozialprodukts von two-tausend achtundsechzig.

00:12:05: Jeffrey hörte diese Zahlen mit einer Mischung aus Demut und Genugtuung, Diese Ressourcen würden den Aufstieg der Menschheit beschleunigen Und die Kontrolle des roten Kreises zementieren.

00:12:18: Der Zweck heilichte Die Mittel.

00:12:20: Für die Zukunft der Spezies war kein Preis zu hoch.

00:12:24: Am vierzehnten Oktober two-tausendneunundsechzig waren die Verträge unterzeichnet.

00:12:30: Julia und Anna verabschiedeten sich herzlich von den Myris, in der gemeinsamen Zeit war Freundschaft gewachsen.

00:12:37: Sie reichten einander die Hände – eine irdische Geste, die Frau Iroff bereits zu Schätzen gelernt hatte.

00:12:44: Julia zog Irof sogar in eine impulsive Umarmung.

00:12:48: Bevor die Myris an Bord der Sternenwanderin gingen, winkten sie den versammelten Menschen noch einmal zu – eine kleine Geste der Zuneigung jenseits jedes Protokolls.

00:12:59: Das Schiff hob geräuschlos ab und verschwand schließlich aus dem Normalraum.

00:13:04: Jetzt sind wir wieder allein!

00:13:06: Aber am einund dreißigsten Oktober treten wir an die Öffentlichkeit.

00:13:11: Es wartet mehr Arbeit auf uns als wir uns vorstellen können", sagte Jeffrey zu Anna und Julia.

00:13:17: Er strich sich mit dem Daumen über die tiefe Sorgenfalte zwischen seinen Augen und atmete tief ein, als könne er die Last der kommenden Jahre bereits physisch spüren.

00:13:27: Hinter der Müdigkeit in seinem Blick blitzte für einen Moment jene unerbittliche Entschlossenheit auf, die ihn seit nineteenhundertsehntin antrieb – die Bereitschaft, die Freiheit weniger für die Sicherheit aller zu opfern.

00:13:40: Es gab nun einen Namen — Die Terranische Union einen Vertrag und eine endlose Liste fast unlösbarer Probleme.

00:13:48: Der Weg zur Einigung der Menschheit hatte gerade erst begonnen!

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