Aufbruch - Kapitel 15 - Gefangenschaft
Shownotes
Julia, Ana und Ken finden sich in einer menschenunwürdigen Isolation und Leere wieder, in der jeder Funke Hoffnung in Apathie erstickt.
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00:00:00: Kapitel fünfzehn, Gefangenschaft.
00:00:02: Zweiter März, zwei tausend achtundsechzig bis erster Juni, zweitausend neunund sechzig.
00:00:08: Ihre Unterbringung spottete jeder Beschreibung von Menschlichkeit.
00:00:12: Das Wort Zelle wäre eine euphemistische Übertreibung für diesen Kagen feindseligen Kubus gewesen.
00:00:19: Julia Anna und Ken hausten in einer geometrischen Lehre die nur von einem matten bläulichen Schimmer vom Eingang her schwach erhält wurde.
00:00:27: Es war kein echtes Licht sondern lediglich die schmerzhafte Abwesenheit vollkommener Dunkelheit.
00:00:33: Auf dem kalten Boden lag etwas, das man nur mit einer verzweifelten Portion Fantasie als Matratze hätte bezeichnen können – eine flache, gummiartige Unterlage, die unaufhörlig den beißenden Geruch von scharfem Desinfektionsmittel und dem kalnten Schweißfremder ausdünstete.
00:00:50: Sanitäre Anlagen existierten nicht.
00:00:53: Stattdessen zwang man sie ihre Not durft in einem flachen emallierten Eimer zu verrichten!
00:00:59: Alle paar Stunden erschien das Wachpersonal, entfernte das Gefäß wortlos und brachte es gereinigt zurück.
00:01:05: eine mechanische Demütigung die sich mit jeder lautlosen Rückgabe wie glühendes Eisen tiefer in ihre Seelen brannte.
00:01:12: In periodischen Abständen die Anna in der Zehen formlos gewordenen Zeit auf etwa drei bis vier Tage schätzte schleppte man sie in eine Hygienezelle.
00:01:22: dort unter dem unerträglichen Starren der wachsamen Facettenaugen ihrer Peiniger dürften sie sich notdürftig mit eiskaltem Wasser reinigen.
00:01:31: Da man ihnen ihre Raumanzüge abgenommen hatte, trugen sie nur noch ihre Unterwäsche, die sie bei diesen Gelegenheiten verzweifelt auswuschen – nur um sie anschließend klamm und fröstelnd auf der bloßen Haut trocknen zu lassen!
00:01:44: Die Wächter selbst wirkten wie Manifestationen eines wiederkehrenden Albtraums, ekelerregend vertraut und doch von einer zutiefst unheimlichen Fremdatigkeit….
00:01:54: Sie glichen gigantischen Ameisen aus irdischen Horrorfilmen, deren lange segmentierte Körper in ruckartigen Staccato-Bewegungen durch die Gänge huschten.
00:02:04: Ihr Gang war dabei von einer verstörenden Flüssigkeit – die gleichzeitig maschinenhaft wirkte als liefe jede Bewegung nach einem unerbittlichen Algorithmus ab.
00:02:14: Sie sprachen nicht, sie starten nicht.
00:02:17: Genau dieses vollkommene gleichgültige Schweigen machte ihre Anwesenheit so unerträglich!
00:02:22: Auf ihren Chitin-gepanzerten Rümpfen saßen Köpfe mit gewaltigen Facettenaugen, die jedes Restlicht einfingen und es wieder reflektierten – während sich darüber Fühler wie Feine unablässig zuckende Antennen in die Luft tasteten.
00:02:36: Ihre Anatomie war ein Rätsel aus sechs Extremitäten.
00:02:40: Je nach Bewegung wirkten sie wie vier Füße und zwei Arme.
00:02:44: Doch wenn Sie randen, stützten sie sich raubtierhaft auf die mittleren Glieder ab!
00:02:49: Diese Bewegung, eine hybride Abscheulichkeit.
00:02:52: aus dem Krabbeln einer Spinne und dem Watscheln eines Gorillas, jagte Anna jedes Mal einen Schauer über den Rücken.
00:02:59: Während die mittleren Hände grob und für schwere Lasten geschaffen schienen, agierten die oberen Gliedmaßen mit einer bemerkenswerten Präzision.
00:03:07: Ihre Kommunikation war ein schmerzhaftes Paradoxon – sie bestand aus hohen, schnellen Tönen, ein Zwitschern-und Klicken das an Vögel erinnerte Aber jede Melodie vermissen Lies und stattdessen in einer Härte in die Gehörgängeschnitt, die Unbehagen auslöste.
00:03:23: Meist waren die Wesen nackt – ihr dunkler Chitinpanzer glänzte Matt im fahlen Licht.
00:03:29: Kleidung trugen sie nur als funktionalen Schutz.
00:03:32: Das fehlenderkennbare Geschlechtsorgane verlieh ihnen eine zusätzliche sterile Unpersönlichkeit, die sie in den Augen der Gefangenen endgültig zu gefühllosen Automaten degradierte.
00:03:43: Die Nahrung spiegelte diese Trostlosigkeit wieder.
00:03:46: Alle paar Stunden erhielten sie denselben geschmacklosen grauen Brei, der zwar die Biologie ihrer Körper aufrechterhielt.
00:03:53: Aber jeden Funkengenuss und jede Erinnerung an die Zivilisation im Keim erstickte.
00:03:59: Anfangs hatten die drei noch versucht eine Brücke zu schlagen – mit Gästen, flehenden Worten und Bitten!
00:04:05: Doch jeder Versuch verhalte in der absoluten Lehre des Raums oder versandete im gleichgültigen Heben einer Waffe.
00:04:12: Aus dem lodernden Hass auf die Mörder, die vor ihren Augen Milliarden Leben ausgelöscht hatten, wurde schleichend eine dumpfe graue Appatie.
00:04:20: Der Zorn verbrauchte schlichtweg zu viel Energie – Energie, die sie in diesem ewigen Jetzt-aus-Hunger kälte und Scham nicht mehr besaßen!
00:04:30: Wenn Sie sprachen, blieben die Sätze flach Und ihre Gedanken begannen wie Asgeier um den einzigen Verbliebenen Ausweg zu kreisen.
00:04:38: Den Selbstmord taksierten die Kanten des Raums.
00:04:44: Sie waren nur noch ausgemergelte Gespenster in einer fremden Hölle.
00:04:48: Eines Tages brach die Routine!
00:04:51: Die Tür öffnete sich lautlos, zwei bewaffnete Wächter bedeuteten ihnen mit unmissverständlicher Stränge hinauszugehen.
00:04:59: Anna erwartete den üblichen Gang zur Reinigung – doch diesmal bogen sie ab.
00:05:04: Ein neuer Raum empfing sie durchflutet von gleißendem warmen Sonnenlicht dass durch zwei milchig transparente Fenster hereinbrach und die gefangenen Schmerz erfüllt, die Augen schließen ließ.
00:05:16: Das Licht einer fremden Sonne dachte Anna mit einer plötzlichen schneidenden Wehmut.
00:05:22: In diesem Raum standen drei Sitze, die erstaunlich gut an die menschliche Anatomie angepasst waren.
00:05:29: Kaum hatten sie Platz genommen wurden ihre linken Arme in metallene Klemmen fixiert.
00:05:34: Ein kaltes Klicken und ein Soren das bis in den Mark der Knochen vibrierte kündigte das Unbekannte an.
00:05:41: Jetzt werden wir gefoltert, hemmerte es in Annas Kopf, während die nackte Angst jeden logischen Gedanken hinwegfägte.
00:05:49: Doch das Wesen vor ihnen hob eine seiner filigranen Arbeitshände, deutete auf die eigene Chitinbrust und zwitscherte eine Salve schnellerlaute in ein kleines Gerät.
00:05:59: Die Antwort des Apparates war ein mechanisches – aber klares Wort – Elix!
00:06:05: Instinktiv verstand Anna und tippte sich gegen die eigene Brust.
00:06:10: Anna Das Wesen.
00:06:12: Elix neigte den Kopf in einer fast schon menschlichen Geste des Nickens.
00:06:17: Es zeigte auf den Tisch.
00:06:20: Tisch krächtste Anna mit rauer Stimme, das Gerät übersetzte prompt.
00:06:25: Die Erkenntnis traf Anna wie ein Schlag in die Magengrube.
00:06:29: Sie wollten ihre Sprache lernen um sie effizienter verhören und alles aus ihnen herauspressen zu können.
00:06:36: Auch Julia und Ken begriffen die Absicht, doch nach Monaten der geistigen Isolation war diese Interaktion wie ein rettender Funke.
00:06:44: Begierig darauf, die lähmende Langeweile zu durchbrechen – halten Sie bei der lingwistischen Erschließung mit!
00:06:51: Die Wächter zeigten große Geduld, korrigierten sanft über das Gerät bis nach der ersten Sitzung bereits rudimentäre Sätze wie Ich hungrig möglich waren….
00:07:01: Fragen nach ihrer Zukunft wurden jedoch stets mit einer abwährenden Geste oder tödlichem Schweigen quittiert.
00:07:08: Mit der Zeit zog sich Kenje doch immer weiter zurück, sein Blick wurde abwesend, seine Teilnahme mechanisch.
00:07:15: Als sie ihn in der Zelle zur Rede stellten, brach die gestaute Qual aus ihm hervor.
00:07:20: Er würde nicht zum Handlanger für Die Vernichtung seiner eigenen Spezies werden – er würde die Position der Erde niemals preisgeben!
00:07:28: Anna und Julia erstarten.
00:07:30: In ihrer Gier nach Ablenkung hatten sie die tödliche Gefahr, die in jeder Vokabel lauerte, völlig verdrängt.
00:07:38: Doch es war zu spät!
00:07:39: Die Peiniger hatten bereits zu viel gelernt.
00:07:43: Zwei Wochen später erklärte Elix in fast fließendem Tonfall dass das Lernprogramm abgeschlossen sei.
00:07:50: Die gespenstische Klarheit der Stimme ließ Ken erschaudern.
00:07:53: Er war überzeugt, dass nun die Phase der physischen Gewalt beginnen würde.
00:07:59: Ich lasse mich nicht brechen, flüsterte er in die Schwerze der Zelle.
00:08:03: Ich nicht!
00:08:05: Der Ausbruch kam schnell und mit der Wucht purer Verzweiflung.
00:08:09: Als ein Wächter sich bückte um den Eimer zu tauschen sprang Kennyn aus dem Schatten an.
00:08:15: Er drosch mit einer Salve von Schlägen auf die Facettenaugen und den Rumpf ein.
00:08:21: Das Wesen taumelte unter der plötzlichen Aggression zurück und stieß ein gelndes Zirpen aus.
00:08:27: Ohne zögern Ohne eine einzige Warnung, rissen die Wächter am Eingang ihre Waffen hoch.
00:08:33: Zwei präzise Schüsse ein kaum wahrnehmbares Zischen und Ken brach zusammen.
00:08:39: In seinen sterbenden Zügen lag eine bizare Zufriedenheit.
00:08:43: Er hatte sein Leben gegeben um das Geheimnis der Erde mit ins Grab zu nehmen.
00:08:48: Julius wählt zerbarst in diesem Augenblick Ihr Schrei erstickte in einem heiseren Schluchzen.
00:08:55: Tagelang kauerte sie weinend in der Ecke verweigerte jede Nahrung, bis sie zu einem apathischen Schatten wurde.
00:09:01: Erst als ihr Zustand lebensbedrohlich wurde, verabreichten die Wächter ihr gewaltsam eine Injektion, die sie in einen dämrigen Halbschlaf versetzte.
00:09:11: Wochen später wurden die beiden Überlebenden erneut in den hellen Raum geführt.
00:09:16: Julia war körperlich stabil aber ihre Augen blieben tote Spiegel.
00:09:21: Ein unbekannter Tratt ein kenntlich gemacht durch einen Armreif mit komplexen gelben Sechsecken.
00:09:28: Er stellte sich über den Übersetzer vor, die Stimme war ruhig fast weich.
00:09:33: Mein Name ist Irof.
00:09:35: Ich bin Ihre vom Gericht bestellte Pflichtverteidigerin.
00:09:39: Oh!
00:09:40: Gericht?
00:09:41: Verteidigerinn!
00:09:42: Krächzte Julia fassungslos.
00:09:45: Welches Verbrechen sollen wir begangen haben?
00:09:49: Irofs Antwort kam glasklar und bei jeder Emotion.
00:09:53: Die Anklage lautet auf Beihilfe zum Völkermord, der Vernichtung einer planetaren Evolution und der Ermordung von Milliarden intelligenter Lebewesen.
00:10:02: Sie stehen vor einem Zivilgericht – weil ihr Schiff unbewaffnet war und sie sich nicht aktiv am Massenmord an unserem Volk beteiligen konnten.
00:10:11: Andernfalls wären sie bereits hingerichtet worden!
00:10:22: Unser Volk.
00:10:23: Langsam wie Eisschollen, die auseinanderdriften und den Blick auf das dunkle Wasser darunter freigeben, begriff Anna die Wahrheit Die Bilder des zerstörten Planeten – die brennenden Städte der verzweifelte Widerstand der Verteidiger.
00:10:38: Das war nicht ihr Sieg gewesen Es war eine Auslöschung.
00:10:43: Diese Wesen ,die sie hier gefangen hielten, die sie gedemütigt und die Ken getötet hatten Diese intelligenten Ameisen waren nicht die Täter.
00:10:52: Sie waren die Opfer des Völkermords!
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