Aufbruch - Kapitel 10 - Raumanzug
Shownotes
Ana und ihre Freunde werden im Tragen von Raumanzügen geschult. Doch dann treten unerwartete Probleme auf.
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00:00:00: Kapitel zehn Raumanzug, neunzehntel September zwei tausend siebenundsechzig bis fünfter Oktober zweitausend sechzig.
00:00:08: Den fachgerechten Umgang mit den komplexen Raumanzügen lehrte Ken Morgan.
00:00:14: Bevor Ken in dem Kreis der Außerwählten im Roten Kreis aufgenommen wurde hatte er als erfahrener Astronaut bei der ESA gedient.
00:00:22: Er war bereits mit einem europäischen Shuttle in den Erdorbit-Emporgestiegen und hatte dort am mühsamen Zusammenbau einer neuen internationalen Raumstation mitgewirkt, was ihn zu einem Mann machte.
00:00:33: Der das tödliche Vakuum nicht nur aus der grauen Theorie kannte.
00:00:37: Doch kurz darauf wurde das Budget der ESA radikal gekürzt – und Ken, dessen ganzes Leben und Sehnen allein den fernen Sternengalt verlor seinen Job!
00:00:47: Die Enttäuschung über dieses abrupte Ende saß tief in seiner Seele bis ihn wenig später der rote Kreisanwarp, was für ihn einen rettenden Anker darstellte, den er ohne jedes Zögern ergriff.
00:00:59: Ken stammte ursprünglich aus England und hatte zuvor in London gelebt – in einer bescheidenen kleinen Wohnung mit Blick auf die trägefließende Temse, die ihm in der Sterilität seiner jetzigen Umgebung nun unendlich fern- und beinahe unwirklich erschien.
00:01:14: Der Trainingsraum offenbarte sich als eine hohe kühle Halle, in der eine fast sakrale Stille herrschte.
00:01:21: Entlang der Kagenwände standen die massiven Anzüge auf Stählernenrahmen, während hydraulische Gelenkarme die schweren Rückenpartien und die glänzenden Helme in ihrer Position hielten.
00:01:32: Darunter lagen akkurat eingerollte Sicherungsleinen und die schwerer Platten für die Magnetstiefel bereit.
00:01:39: Der Boden bestand aus einem raster rutschfester Felder, die mit leuchtend gelben Markierungen für die Übungsbahnen versehen waren.
00:01:47: Hoch über den Köpfen verliefen Schienen mit massiven Hebezeugen und komplexen Sicherungssysteme.
00:01:53: An einer Seite der Halle befanden sich flache Prüfkonsolen für Druck, Sauerstoff- und Temperatur, deren Anzeigen in schlichten Statusfarben leuchteten.
00:02:03: Es rochintensiv nach trockenem Kunststoff und dem Herbenhauch von Schmiermittel während diverse technische Geräte ein leises stetiges Summen von sich gab.
00:02:13: In den schattigen Nischen standen zwei metallene Schränke sowie eine einsatzbereite Nottrage.
00:02:19: Neben dem massiven Eingang befanden sich ordentlich aufgereit die Spinde, Ersatzdichtungen und glänzende Handschuhringe.
00:02:27: Alles an diesem Ort wirkte streng geordnet – oft benutzt und klinisch sauber!
00:02:32: Wie Ken der kleinen aufmerksamen Gruppe erklärte waren die Raumanzüge für ihre spezifische Expedition zu Ika Pegasi nicht unbedingt notwendig da die Arbeit innerhalb der schützenden Hülle des Schiffes stattfinden würde.
00:02:46: Aber und hier nahm seine Stimme einen ernsten Unterton an, jeder Bewohner Ghanimetz besitze seinen eigenen maßangefertigten Raumanzug und müsse diesen im Schlaf beherrschen können.
00:02:57: Im Weltall herumzufliegen ohne die grundlegendste Bedienung des eigenen Schutzpanzers zu kennen so drückte er es mit einem trockenen Auflachen aus wäre ungefähr so sinnvoll wie eine Fahrt auf einem Luxusdampfer bei dem die Besatzung vergessen hat, wie man die Rettungsbote zu Wasser lässt.
00:03:14: Ken sprach in einfachen Worten und ohne unnötige Schnörkel.
00:03:19: Er deutete auf jede Komponente, nannte präzise deren Zweck und prüfte mit forschendem Blick ob jeder der Anwesenden die Logik dahinter verstanden hatte.
00:03:28: Dabei machte er unmissverständlich klar dass ein solcher Anzug kein bloßes Kleidungsstück sei sondern viel mehr ein winziges autarkes Raumschiff.
00:03:38: Wenn man die Handgriffe nicht bis zur Perfektion übe, werde die Technik draußen in der Schwärze unweigerlich versagen.
00:03:45: Die Anzüge selbst stellten wahre Meisterwerke orthisischer Fertigungskunst dar und enthielten revolutionäre Technologien, die man in herkömmlichen irdischen Modellen vergeblich suchen würde.
00:03:57: Jeder dieser Panzer beherbergte eine hochintelligente Recheneinheit – eine KI die nicht nur die Lebensfunktionen des Astronauten lückenlos überwachte, sondern bei Bedarf auch autonom Medikamente injizierte.
00:04:10: Die Körpertemperatur feingliedrig regelte und den Sonnenfilter der Helmscheibe in Echtzeit an die Strahlungsumgebung anpasste.
00:04:17: Sogar die menschliche Notdurft wurde von diesem System gesammelt und chemisch aufbereitet.
00:04:23: Der Anzug war nichts Geringeres als eine mobile, intelligente Lebenserhaltungszelle.
00:04:29: Beim kräftigen Einrasten der Handschuhe spürte man förmlich die verborgene Kraft der Anzugmotoren in den mechanischen Gelenken.
00:04:37: Die Helme waren weit und boten eine kristallklare Sicht, während das Visier mit feinen blauen Anzeigen die kritischsten Daten direkt ins Sichtfeld projizierte.
00:04:47: Jedes Detail war zutiefst sinnvoll und streng logisch angeordnet.
00:04:52: Neben der standardmäßigen Sauerstoffflasche – die sich sogar im Vakuum wechseln ließ besaß jeder Anzug zudem einen kompakten Antrieb, dessen Funktion auf einem sogenannten Feldantrieb basierte.
00:05:04: Den Anna noch nicht im geringsten Verstand was sie gleichermaßen faszinierte und zu tiefst frustrierte.
00:05:10: Ken ließ sie jede einzelne Anzeige laut und deutlich vorlesen – Druck, Temperatur, Restluft-und Antriebsleistung!
00:05:18: Die Werte prägten sich tief in ihr Gedächtnis ein und die stetige Wiederholung der Prozedur wirkte seltsam beruhigend auf die Nerven.
00:05:27: Am Ende der Sitzung war jeder in der Lage, die wichtigsten Kennzahlen fehlerfrei aus dem Kopf zu rezipieren.
00:05:34: Und zuerst werden wir das mühsame an und ablegen der Anzüge bis zur Erschöpfung trainieren – woraufhin wir das Tragen der Montur innerhalb der sicheren Station üben!
00:05:44: Wenn ihr das schließlich einwandfrei beherrscht, werdet Ihr als finalen Abschlusstest zwei volle Tage am Stück mit dem Raumanzug herumlaufen.
00:05:52: Der Anzug wird euch in dieser Zeit mit Wasser und speziellen Nahrungskonzentraten versorgen, während der Helm unter keinen Umständen geöffnet werden darf und ihr mindestens einmal eigenständig die Sauerstoffflasche wechseln müsst.
00:06:06: Ken musterte die Runde mit einem Schellmischen fast herausfordernden Funkeln in den Augen.
00:06:12: Wenn ihr diese Hürde alle gemeinsam genommen habt dann werden wir die schützenden Mauern verlassen.
00:06:22: Wir werden etliche Kilometer weit in die Eiswüste hinausfahren und von dort eine ausgedehnte Wanderung zurück zur Station genießen.
00:06:30: Er ließ diese letzten Worte betont langsam und wirkungsvoll ausklingen, wobei die unterschwellige Drohung hinter der Einladung für niemanden zu überhören war.
00:06:40: Zum krönenden Abschluss lernt ihr dann noch das richtige Fliegen mit den Dingern – was wir im Orbit von Ghanimet ausgiebig und unter Realbedingungen trainieren werden!
00:06:49: Schloss kennt seinen Vortrag ab und klappte sein Tablet mit einem entschlossenen Geräusch zu, als sei damit alles Wesentliche gesagt.
00:06:57: In der Folgezeit übten sie immer und immer wieder die exakt gleichen Vorgänge – rein in den schweren Anzug.
00:07:04: ein penibler Dichtheitstest dann wieder mühsam raus aus dem Anzug!
00:07:09: Das Ann-und-Ablegen entwickelte sich zu einem rituellen Akt, der mit größter Sorgfalt und einer fast schon ehrfürchtigen Präzision vonstatten gehen musste….
00:07:18: Die innerste Schicht bestand aus einer eng anliegenden Unterwäsche, die mit feinsten Sensoren durchwebt war um jede noch so kleine Körperfunktion zu erfassen.
00:07:28: Darüber wurde der eigentliche Anzug gezogen – ein mehrlagiges und extrem widerstandsfähiges Gewebe das sich in den Händen schwer und doch erstaunlich flexibel anfühlte.
00:07:39: Nach dem Anlegen wurden sämtliche lebenskritischen Funktionen des Systems von der integrierten KI.
00:07:48: Der Träger war jedoch dazu verpflichtet, jeden einzelnen Punkt dieser Checkliste manuell zu testen und dem Rechner das Ergebnis förmlich zu bestätigen – was eine letzte unumstößliche Sicherheitsmaßnahme gegen technisches Versagen darstellte.
00:08:03: Erst wenn ausnahmslos alle Punkte im grünen Bereich leuchteten und sowohl Mensch als auch Maschine ihr explizites Einverständnis gegeben hatten, dürfte der Träge in das tödliche Vakuum oder auf die feindliche Oberfläche eines Planeten entlassen werden.
00:08:18: Lediglich in einer akuten Notsituation fielen diese zeitaufwendigen Prüfungen weg.
00:08:23: Eine solche Gefahr wurde vom Anzug entweder selbstständig erkannt oder konnte durch das Betätigen eines speziellen Schalters manuell gemeldet werden.
00:08:32: Der Boden des Training-Parcours war dick gepolstert, damit sich bei einem ungeschickten Sturz niemand ernsthaft verletzte.
00:08:39: Eine Kamera zeichnete jeden noch so kleinen Ablauf lückenlos auf Damit Ken später präzise aufzeigen konnte an welcher Stelle es im Bewegungsablauf noch hakte.
00:08:49: Jeder kleinste Fehler wurde unnachgiebig notiert und der gesamte Vorgang so lange wiederholt, bis der angehende Raumfahrer das komplexe Prozederevollkommen automatisiert beherrschte.
00:09:01: Bereits am zweiten Tag vollzogen die fünf Gefährten das An- und Ausziehen der Anzüge nahezu perfekt wie eine einstudierte Choreografie aus Reißverschlüssen, Druckverschlüssen.
00:09:13: Doch genau in diesem Moment begannen die eigentlichen Probleme für Anna.
00:09:18: Anfangs lautete die Vorgabe lediglich, eine einzige Stunde mit geschlossenen Helm in der sicheren Umgebung der Station zu verbringen.
00:09:26: Kaum war der Helm jedoch mit einem leisen unheilvollen Zischen verriegelt worden – begann die Qual!
00:09:32: Zuerst verspürte Anna ein Jucken am linken Ohr und dann als ob ihr eigener Körper sich gegen sie verschworen hätte juckte plötzlich auch noch die Nasenspitze.
00:09:42: Das Gefühl wurde schier unerträglich, denn je verbissener sie versuchte den Reiz zu ignorieren, desto heftiger peinigte er ihre Sinne.
00:09:51: Kurze Zeit später schien es in ihrer Wahrnehmung auch noch ein massives Problem mit der Sauerstoffzufuhr zu geben.
00:09:57: In ihrer stetig wachsenden Panik war sie felsenfester von überzeugt, dass der Sauerstoffanteil der Atemluft kontinuierlich abnahm – obwohl die Anzeige ihres Helm-Displays ungerührt in konstantem Grün leuchtete!
00:10:10: Ken, der ihre immer schneller werdenden flachen Atemzüge über die Gruppenverbindung hörte, versuchte sie mit besonnener Stimme zu beruhigen und erklärte ihr das viele Menschen beim ersten Mal mit ähnlichen psychosomatischen Problemen zu kämpfen hätten.
00:10:24: Und dass der tatsächliche Sauerstoffanteil des Gemischs bei über dreißig Prozent liege was mehr als genug zum Überleben war.
00:10:31: doch die blanke irrationale Panik hatte Anna bereits fest in ihren Klauen.
00:10:37: ich bekomme keine Luft mehr schrie sie gellend, während sich ihre Stimme vor purer Angst überschlug und mit zitternden unkontrollierten Händen brach sie die Übung eigenmächtig ab und riss sich den Helm vom Kopf.
00:10:49: Kalte, ungefilterte Stationsluft strömte ihr entgegen.
00:10:54: Anna war Zeit ihres Lebens davon überzeugt gewesen Mit ihrem scharfen Intellekt und ihrer vermeintlich eisernen Willenskraft jede erdenkliche Situation unter Kontrolle zu haben.
00:11:04: Doch in diesem dunklen Moment hatte sie nur noch die Nackte alles überwältigende Angst vor dem Ersticken empfunden, wobei ihr kein einziger klarer Gedanke mehr möglich gewesen war.
00:11:14: Ihr Selbstvertrauen wurde zudem auf eine harte Probe gestellt – als sie kurz darauf erfuhr dass ihre vier Kollegen keinerlei vergleichbare Probleme gehabt hatten.
00:11:24: Ken tröstete Anna später in einem privaten Moment und meinte das diese Panikattacke zwar heftig gewesen sei sich so etwas bei einem Menschen mit ihrer psychischen Stärke aber sicher wegtrainieren lasse.
00:11:36: Dafür, sagte er und legte ihr mit väterlicher Geste beruhigend die Hand auf die Schulter – haben wir hier draußen mehr als genügend Zeit und die nötige Geduld.
00:11:46: Die fünf erwiesen sich zunehmend als ein perfektes Team!
00:11:50: Wer mit seinen eigenen Vorbereitungen fertig war, half dem nächsten ganz selbstverständlich beim Verschließen der Rückenplatte oder korrigierte aufmerksam kleine Fehler beim Partner.
00:12:01: In dieser Gruppe blieb niemand mit seinem Problem allein….
00:12:05: Am Abend, als Anna zutiefst niedergeschlagen und von nagenden Selbstzweifeln geplagt in ihr Apartment zurückkehrte, entdeckte sie zwei Briefe die auf ihrem Schreibtisch bereit lagen.
00:12:16: Aus Angst vor einer neuerlichen Enttäuschung öffnete sie zuerst das Schreiben ihrer Freundin Christine.
00:12:22: Diese gratulierte ihr herzlich zum neuen Job und fragte in ihrem typisch lockeren fast schon übermütigen Ton ob Anna nun etwa der weibliche Null Null Sieben sei versicherte ihr jedoch gleichzeitig wie sehr sie sich schon jetzt auf ein Wiedersehen in zwei Jahren freue.
00:12:38: Christine ist wirklich eine gute Freundin, dachte Anna wehmütig und ein kleines dankbares Lächeln stahl sich für einen kurzen Moment auf ihr erschöpftes Gesicht.
00:12:48: Im Apartment herrschte eine drückende Stille.
00:12:51: Anna wagte es lange Zeit nicht auch Xiaos Brief zu öffnen.
00:12:55: Sie hielt ihn lediglich in der Hand und starte wie gebannt auf den vertrauten Schriftzug auf dem Umschlag.
00:13:01: Schließlich mit zitternden Fingern Brach sie das Siegel und lasst die Zeilen ihres Geliebten.
00:13:07: Liebe Anna!
00:13:09: Ich weiß natürlich, dass eine gute Arbeit für jeden Menschen wichtig ist – ja sogar dann wenn man im Verborgenen für eine Regierung tätig ist.
00:13:17: Ich verstehe auch vollkommen, dass du mir über die Art deiner Tätigkeit und deinen Aufenthaltsort nichts verraten darfst.
00:13:25: Was ich aber beim besten Willen nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass wir vorher kein einziges Mal darüber gesprochen
00:13:31: haben."
00:13:32: Dass du einfach ohne ein erklärendes Wort gegangen bist und dir deine neue Arbeit offensichtlich so viel wichtiger war als ich.
00:13:39: Dennoch habe ich dich viel zu lieb, um aufgrund dieser Enttäuschung nun ohne dich weiterleben zu wollen – und ich verspreche dir hiermit, dass sich dir treu bleiben werde!
00:13:49: Ich weiß zwar noch nicht wie ich diese unendlich lange Zeit ohne deine Nähe überstehen soll… aber ich hoffe inständig, dass du mich in zwei Jahren immer noch
00:13:58: liebst!".
00:13:59: und ich werde mit schmerzlicher Sehnsucht auf unser Wiedersehen
00:14:01: warten.".
00:14:02: In Liebe, Xiao!
00:14:05: Anna legte den Brief behutsam und wie ein zerbrechliches Gut zur Seite.
00:14:10: Sie atmete ein paar Mal tief ein-und aus um die Aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.
00:14:16: Die Worte taten weh denn sie waren von einer Schmerzhaften Klarheit geprägt.
00:14:21: Schließlich rannten die Träne doch über ihre Wangen.
00:14:27: Xiao war zu recht zutiefst verletzt und böse auf sie, aber wenigstens so versuchte sie sich verzweifelt zu trösten hatte er sie nicht endgültig verlassen.
00:14:36: Schlurzend warf sie sich auf ihr Bett und vergrub das Gesicht im Kissen.
00:14:41: Plötzlich klopfte jemand an ihre Tür!
00:14:44: Mit verweinten Augen und einem geröteten gezeichneten Gesicht öffnete Anna schließlich.
00:14:50: Julia stand draußen musterte sie mit einem einzigen wissenden Blick und nahm sie dann ohne ein Wort in den Arm.
00:14:57: Ach Mädchen, tröstete sie Anna sanft!
00:15:00: So schlimm ist die ganze Geschichte mit dem Raumanzug nun auch wieder nicht – das kriegen wir schon irgendwie
00:15:06: hin.".
00:15:07: Wortlos.
00:15:08: da ihre Stimme noch immer vom Weinen belegt war, reichte Anna ihr stattdessen den Brief von Xiao.
00:15:14: Julia überflog die Zeilen schweigend.
00:15:17: Jetzt verstehe ich es.
00:15:19: Brummte sie verständnisvoll Aber auch das wird sich wieder einrenken, denn du kannst ja selbst Schwarz auf Weiß lesen, dass er dich aufrichtig liebt und auf Dich wartet.
00:15:29: Weißt Du was Anna?
00:15:31: Damit Du hier nicht völlig in Trübsal versinkst, gehen wir jetzt zusammen in die Bar und trinken eine Kleinigkeit!
00:15:38: Die Lichtschwele ist gemütlich.
00:15:41: Anna hatte bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht gewusst, daß es innerhalb der Station überhaupt eine Bar gab... Das Lokal war tatsächlich behaglich eingerichtet, mit dunklem warmem Holz und einem angenehm gedämpften Licht.
00:15:55: Nach einigen Drinks und Julias unermüdlichem aufmunternden Geplauder fühlte sich Anna tatsächlich ein wenig besser.
00:16:03: Julia verstand es ausgezeichnet ihr neuen Mut zuzusprechen – ohne dabei ihre tiefen Gefühle kleinzureden!
00:16:10: Am nächsten Tag begannen für Anna jedoch neuerlich die Qualen mit dem Raumanzug.
00:16:16: Ken hatte ihr bereits am Vorabend erklärt, dass ein Psychologe ihr in dieser Lage sicher helfen könne.
00:16:22: Und er hatte bereits H-Siemen Habib darum gebeten Anna unterstützen zur Seite zu stehen.
00:16:27: Der schon etwas ältere Herr mit dem freundlichen Gesicht einem gemütlichen Bauchansatz und schlow weißen Haaren sah exakt so aus wie sich Anna einen Psychologen in ihren Vorstellungen immer ausgemalt hatte Weise ruhig und ein klein wenig verschmitzt.
00:16:42: Deshalb konnte Anna ein kurzes Grinsen nicht ganz unterdrücken, als sie ihm ihren Namen nannte – was Hasim lediglich mit einem belustigten Zwingern quittierte.
00:16:52: Hasim führte in der Folge intensive und äußerst einfühlsame Gespräche mit ihr und erläuterte ihr verschiedene Atemtechniken sowie kognitive Tricks, mit denen man aufkommende Panik unterdrückten oder zumindest wieder abflauen lassen konnte.
00:17:07: Diese wertvollen Tipps versuchte sie bei den folgenden Übungen mit dem Anzug so gleich in die Tat umzusetzen.
00:17:14: Mit jedem neuen Versuch und mit jeder weiteren überstandenen Minute in der Enge vieles ihr spürbar leichter!
00:17:20: Die anfänglich lähmende Angst wich allmählich einem unbestimmten, aber kontrollierbaren unguten Gefühl.
00:17:27: Bereits am darauffolgenden Tag schaffte sie die geforderte volle Stunde.
00:17:31: Der Schweiß stand ihr zwar in dicken Perlen auf der Stirn Aber ihr Helm blieb bis zum Ende fest verschlossen.
00:17:38: Jeden weiteren Tag machte sie nun größere Fortschritte, bis es schließlich soweit war – der gefürchtete Zweitagetest nahm seinen Anfang!
00:17:47: Ashok, Makiko, Linn, Ludwig und Anna hatten fest vereinbart dass sie diese harte Prüfung gemeinsam als Team bestehen wollten.
00:17:56: Auch während der Nachtruhe wollten sie unbedingt zusammenbleiben um sich gegenseitig zu unterstützen falls jemand in der Dunkelheit Probleme bekommen sollte.
00:18:05: Der eigentliche Beginn war für Anna fast schon Routine geworden, doch nach einigen Stunden begannen die Probleme als sie ihre Notdurft verrichten musste.
00:18:14: Sich in der integrierten hochabsorbierenden Windel des Anzugs schlichtweg zu erleichtern fiel ihr außerordentlich schwer und fühlte sich für Sie zutiefst demütigend an.
00:18:24: Doch auch diese Hürde meisterte Anna schließlich indem sie sich krampfhaft darauf konzentrierte dass es sich lediglich um einen rein physiologischen und vollkommen sterilen Vorgang handelte.
00:18:36: Danach folgte die quälende Langeweile, da der Gruppe der Gesprächsstoff schon vor langer Zeit ausgegangen war.
00:18:43: Ein Buch zu lesen, Musik zu hören oder sich gar einen Film anzusehen – war mit dem festgeschlossenen Helm-und dem stark begrenzten Interface des Anzugrechners nur sehr eingeschränkt möglich.
00:18:54: Das Schlafen in der steifen unnachgiebigen Rüstung war alles andere als bequem!
00:18:59: Weshalb die Gruppe, die meiste Zeit über Wach und Unruhig blieb.
00:19:04: Einzig Lin Hwang schlief wie ein Murmeltier!
00:19:07: Sie konnte scheinbar rein gar nichts aus ihrer stoischen inneren Ruhe bringen.
00:19:11: Natürlich begann Annas Kopfhaut wieder einmal unerträglich zu jucken – aber die mentalen Tricks von Hasim zeigten Wirkung… Und der Juckreiz ließ allmählich nach.
00:19:21: Langsam, ganz unendlich langsam und quälend verstrichte Zeit... sie hatten damit begonnen auf einer provisorischen Strichliste an der Wand die Stunden abzuhaken.
00:19:33: Dreißig, einunddreißig – Zwei und dreißig!
00:19:36: quälen langsam Krocht der Zeiger der Uhr voran.
00:19:40: Da war sie plötzlich wieder völlig ohne Vorwarnung.
00:19:43: Die Alte nur zu vertraute Angst und die aufkeimende Panik keine Luft mehr zu bekommen.
00:19:49: Ihr Atem ging bereits keuchend Und Sie fragte den Anzugrechner mit gepresster Stimme ob der Sauerstoffvorrat zur Neige gehe.
00:19:57: Die KI antwortete ihr mit ihrer Monotonin, aber seltsam beruhigenden Maschinenstimme.
00:20:03: Der Sauerstoffanteil im Luftgemisch beträgt zurzeit etwa einunddreißig Prozent.
00:20:09: Ein menschlicher Organismus benötigt für eine normale Funktion lediglich einen Anteil von einundzwanzig Prozent.
00:20:16: Sie sind somit vollkommen ausreichend mit Sauerstoffs versorgt.
00:20:21: In Ihrer irrationalen Not hoffte Anna nun dass sie durch eine neue, frische Flasche subjektiv besser Luft bekommen würde.
00:20:28: Und sie bat ihre Kollegen inständig ob man den geforderten Flaschenwechsel nicht schon jetzt vornehmen könne.
00:20:34: Die Gruppe war sofort einverstanden auch deshalb weil alle Anwesenden genau erkannten wie Hart Anna in diesem Moment mit sich selbst zu kämpfen hatte.
00:20:44: Der Anzug war so genial konstruiert das man den Austausch der Flashe mit etwas geschick selbst vornehmen konnte Und natürlich musste dies jeder als integralen Teil der Prüfung unter Beweis stellen.
00:20:56: Anna war angespannt wie selten zuvor in ihrem Leben und ihr war vor Aufregungen richtig übel, die nackte Furcht plötzlich ohne Luft dazustehen weil sie die alte Flasche bereits entfernt hatte und es vielleicht nicht schaffen würde die neue rechtzeitig anzuschließen lähmte sie beinahe vollständig wieder rief sie sich Hasims wertvolle Tipps ins Bewusstsein atmete mehrmals tief durch und konzentrierte sich ausschließlich auf die einfache mechanische Handlung, bis sie mit letzter Kraft die aufgeimende Panikattacke niederkämpfte.
00:21:28: Den eigentlichen Wechsel der Flasche schaffte sie dann ohne weitere Probleme.
00:21:33: Anna wusste im Nachhinein nicht genau warum – aber die restlichen Stunden vergingen zwar nach wie vor quälend langsam, doch die lähmende Angst kehrte nicht mehr zurück….
00:21:43: Die letzten Sekunden der Achtundvierzig Stunden zählte die gesamte Gruppe gemeinsam im Chor als Countdown herunter.
00:21:50: Bei Null öffneten alle Synkron ihre Helme und ein frenetisches Jubelgeschrei erfüllte den Raum, vermischt mit dem zischenden Geräusch von entweichender Druckluft und den hastigen Versuchen sich so schnell wie möglich aus den klobigen Anzügen zu befreien.
00:22:05: Geschafft!
00:22:05: Wir haben es tatsächlich geschafft!
00:22:08: Ich danke euch allen von Herzen.
00:22:10: Rief Anna völlig überwältigt und umarmte nacheinander Azhok, Makiko, Lynn und Ludwig.
00:22:17: Ken Morgan, der die letzten Stunden mit ihnen verbracht hatte, gratulierte allen Teilnehmern mit einem stolzen Lächeln und lud sie spontan zu einer kleinen Feier ein.
00:22:27: Nachdem Sie sich alle gründlich frisch gemacht und die Spuren der zweitägigen Qual abgewaschen hatten, trafen sie sich mit Ken und Julia in der Bar Lichtschwele und feierten ihren hart erkämpften Sieg bis tief in die künstliche Nacht der Raumstation.
00:22:41: Am nächsten Tag konnten sich alle ausschlafen, da sie frei bekommen hatten um sich von den Strapazen der letzten achtundvierzig Stunden zu erholen.
00:22:50: Anna hatte mehrmals versucht Xiao und Christine ausführlich zu schreiben war aber immer wieder kläglich daran gescheitert dass sie zwar wahnsinnig viel zu erzählen hatte – von ihrer nackten Angst ihrem großen Triumph Aber genau diese Details unter strengster Geheimhaltung standen.
00:23:09: So blieben am Ende nur unbedeutende, nichtssagende Sätze wie »Mir geht es gut« oder »Wie geht es dir?« und ähnliche Floskeln auf dem Papier zurück.
00:23:19: Natürlich hätte Siexiao jederzeit von ihrer tiefen Sehnsucht nach ihm berichten können – aber das hätte die schmerzhafte Trennung für sie beide nur noch unerträglicher gemacht!
00:23:29: Irgendwann hatte sie resigniert aufgegeben und das Brief erschreiben frustriert auf einen anderen Tag verschoben.
00:23:36: Den restlichen Tag verbrachte sie stattdessen mit ihren zukünftigen Besatzungskollegen Julia Andretti und Ken Morgan.
00:23:44: Anna war es dabei sogar gelungen, die beiden davon abzuhalten schon wieder Tischtennis spielen zu wollen.
00:23:51: Sie protestierte mit den entschlossenen Worten Ich möchte zur Abwechslung mal etwas spielen bei dem ich auch eine realistische Chance habe zu gewinnen.
00:24:01: Wie wäre es stattdessen mit einer Partieschach?
00:24:04: Julia war davon wenig begeistert, sie beherrschte zwar die grundlegenden Regeln des Spiels aber das war auch schon alles was sie dazu beitragen konnte.
00:24:13: Sie meinte schließlich axelzuckend, sie werde Ken einfach mental unterstützen wenn er gegen Anna antritt.
00:24:20: Ken fragte Anna darauf hin mit einem interessierten Blick wie gut sie denn eigentlich spiele Nur mittelmäßig.
00:24:28: Meine Stärke liegt zweifellos im Mittelspiel, immer dann wenn auf dem Brett richtig was los ist.
00:24:35: Schwach bin ich hingegen im Endspiel und von komplizierter Eröffnungstheorie will ich sowieso nichts wissen denn das sture auswendige Lernen ist mir viel zu mühsam erklärte Anna offen.
00:24:46: Sie spielten im Laufe des restlichen Tages insgesamt fünf Partien.
00:24:51: Ken gewann am Ende drei davon während Anna die erste Partie für sich entscheiden konnte, weil Ken sie offensichtlich unterschätzt hatte.
00:25:00: Ein Remi konnte sie Ken zudem mit viel Glück abbringen, weil er von Julia der sichtlich langweilig war, andauernd abgelenkt wurde und er dadurch einen eigentlich gewinnbringenden Freibauern einbüste.
00:25:12: Der Schummler wie Anna ihn nun neckend taufte gestand schließlich lachend dass er früher in England in einer amatörliger Schacht gespielt diese Tatsache diskret zu verschweigen.
00:25:24: Anna war in diesem Moment einfach nur froh, dass sie hierin Julia und Ken so verlässliche gute Freunde gefunden hatte auf die sie sich in der Zukunft bedingungslos verlassen konnte.
00:25:35: Heute war schließlich der große Tag gekommen – der allererste Spaziergang auf der Oberfläche von Ghanimet!
00:25:43: Zuerst legten alle ihre Raumanzüge an wobei das Helmvisier zunächst noch offen blieb.
00:25:49: Ken führte sie daraufhin zur obersten Etage in eine kleine, kuppelförmige Halle die wie eine gut sortierte Garage anmutete.
00:25:57: Darin parkte ein robustes flach gebautes Kettenfahrzeug mit breiten griffigen Raupen aus Spezialstahl.
00:26:05: Die gepanzerte Fahrgastzelle war groß genug dimensioniert um neun Passagiere inklusive des Fahrers sicher aufzunehmen.
00:26:13: Sie nahmen schweigend Platz und Ken klemmte sich routiniert hinter das Steuer.
00:26:18: Die Fahrgastzelle schloss sich daraufhin nahezu lautlos und luftdicht.
00:26:23: Kennt Fuhr das Gefährt langsam auf ein massives Tor zu, dass sich am anderen Ende der Garage befand.
00:26:30: Es schwang ohne jedes Geräusch auf Und nachdem sie es passiert hatten, schlossen sich hinter ihnen wieder mit einem dumpfen Ton.
00:26:38: Jetzt wird die Luft in der Schleuse abgesaugt.
00:26:41: Erklärte Kenz stimme ruhig aus dem Lautsprecher des Fahrzeugs.
00:26:45: Falls jetzt die Fahrgastzelle zu Bruch gehen sollte, was nach menschlichem Ermessen nicht passieren wird, würde euch trotzdem nichts Ernsthaftes geschehen.
00:26:54: Bei einer plötzlichen, explosiven Dekompression werden eure Helme durch die Sensoren automatisch
00:27:00: geschlossen."
00:27:01: beruhigte er sie.
00:27:02: Endlich öffnete sich das schwere vordere Tor und vor ihnen erstreckte sich plötzlich die unberührte Eiswüste Ganimets unter einem tiefschwarzen mit funkelnden Sternen über setten Himmel.
00:27:14: Kenn setzte das Fahrzeug sanft in Bewegung und steuerte es in Richtung eines weit entfernt liegenden, glitzenden Hügels aus ewigem Eis.
00:27:22: Xiao!
00:27:23: Das solltest du jetzt sehen können.
00:27:25: Wünschte sich Anna stumm während ihr Herz schneller schlug.
00:27:29: dieser atemberaubende Blick war bisher nur wenigen Menschen vergönnt.
00:27:33: Der Riese Júpiter tronte majestätisch am Firmament im reflektierten Sonnenlicht gleißend hell.
00:27:39: Sein berühmtes rotes Auge wirkte aus dieser Perspektive mystisch und beinahe bedrohlich schön wie das Meisterwerk eines Malers.
00:27:47: Alles um sie herum war totenstill, die Insassen des Fahrzeugs schienen kollektiv den Atem anzuhalten.
00:27:55: Es gab kein Geräusch in der Kabine nur dass leise beruhigende Summen des elektrischen Antriebs und eine ganz leichte Vibration ihres Gefährts war für Sie spürbar.
00:28:05: Da draußen ist die Atmosphäre viel zu dünn, um Schallwellen übertragen zu können.
00:28:10: Erinnerte sich Anna!
00:28:12: Nach ungefähr fünf Kilometern einsamer Fahrt hielt, kennt das Fahrzeug schließlich an und unterbrach die ehrfürchtige Stille mit den klaren Worten über die Helmfunkschleife.
00:28:22: Helme jetzt schließen, den Helm funktivieren und dann bitte eine kurze Status-Meldung an mich.
00:28:28: Von den Fünf Schülern kam nacheinander ein klares OK oder ein knappes Check zurück.
00:28:35: Die Luft in der Kabine wird jetzt abgelassen, ich öffne nun die Fahrgastzelle und dann bitte ich alle nacheinander auszusteigen", sprach Ken.
00:28:44: Noch ganz im Bann der fantastischen, surrealen Fahrt reagierte jedoch zunächst keiner der Anwesenden.
00:28:51: Bitte aussteigen!
00:28:52: Auf was wartet ihr denn noch?
00:28:55: Kam es erneut etwas drängender?
00:28:58: Sie kletterten schließlich vorsichtig und noch ein wenig unbeholfen aus dem schützenden Fahrzeug.
00:29:04: Was für ein unbeschreibliches Gefühl, dachte Anna zutiefst überwältigt.
00:29:09: Ich stehe hier tatsächlich mit meinen eigenen Beinen auf dem Jupitermund Ghanimet Nicht innerhalb der Station sondern direkt auf dem uralten Eis unter dem offenen Schwarzen Himmel.
00:29:20: Ken erklärte über Funk weiter Er die Anzüge verfügen über Aggregate die in beschränktem Maße die lokale Schwerkraft für ihren Träger kompensieren können.
00:29:31: Theoretisch könnten wir die Einstellung auf Eins-G festlegen und hätten dann eine Anziehungskraft wie auf der Erde.
00:29:38: Wir belassen es jedoch erst einmal bei der natürlichen Schwerkraft Ghanimets.
00:29:43: Wie ihr sicher schon bemerkt habt, seid ihr hier draußen um einiges leichter als gewohnt.
00:29:49: Er demonstrierte dies so gleich mit einem kleinen fast tänzlenden Sprung der ihn im Vergleich zu irdischen Verhältnissen erstaunlich hoch empor trug.
00:29:59: So, und nun hört mir gut zu!
00:30:02: Der Helmfunk ist ab jetzt ausschließlich für wichtige Kommandos-und technische Informationen reserviert.
00:30:09: Gequatscht wird hier draußen nicht.
00:30:11: Konzentriert euch beim Gehen bitte voll und ganz auf den tückischen Untergrund.
00:30:16: Und jetzt folgt mir unauffällig Sprach kennen und begann sich mit vorsichtigen Schritten in Richtung der fernen Station zu bewegen.
00:30:24: Sie folgten ihm gehorsam in einer ordentlichen Reihe und plötzlich wurde ihre kleine Prozession von ihrem eigenen Kettenfahrzeug überholt, das nun unbemannt zurück zur Station rollte.
00:30:35: Anna hatte vor diesem Moment große Angst vor der Angst gehabt – sie hatte befürchtet hier draußen in der Unendlichkeit wieder eine dieser lebenden Panikattacken zu erleiden.
00:30:45: Doch nichts der gleichen geschah!
00:30:48: Im Gegenteil….
00:30:49: Sie genoss die Wanderung auf der fremden Mondoberfläche mit jeder Faser ihres Körpers.
00:30:55: Sie fühlte sich dabei leicht und beschwingt, fast schon schwerelos – und hatte sogar große Mühe das strikte Redeverbot von Ken einzuhalten.
00:31:03: So sehr wollte sie den anderen voller Begeisterung zurufen wie unglaublich befreiend sich das alles anfühlte.
00:31:10: Einzig die Nase begann wieder einmal zu jucken Aber Anna konzentrierte sich eisern auf ihren ruhigen Atem und hatte den lästigen Reiz schnell wieder unter Kontrolle.
00:31:20: Als sie nach geraumer Zeit die sichere Schleuse der Station betraten, war Anna zwar erleichtert es erfolgreich geschafft zu haben aber ein Teil von ihr wäre am liebsten noch viel länger draußen in der Stille geblieben.
00:31:32: In den folgenden Tagen gingen sie noch mehrmals auf die Oberfläche Ghanimets hinaus.
00:31:38: Sie übten unermüdlich das Laufen in der niedrigen Schwerkraft Das gezielte Springen, das mühsame Aufstehen nach einem Sturz und auch das Tragen eines verletzten Kameraden.
00:31:49: Zum krönenden Abschluss erklärte ihnen Candy-Flugsteuerung des Anzugs.
00:31:54: Vorsichtig in einer maximalen Höhe von zwei Metern und mit einer Geschwindigkeit von nicht mehr als zehn Kilometern pro Stunde dürften sie ihre allerersten Flugversuche unternehmen.
00:32:05: Ein Absturz aus dieser geringen Höhe ist auf Ghanimet vollkommen harmlos!
00:32:10: erklärte Ken mit einem breiten Grinsen.
00:32:13: Nachdem sie auch das Fliegen über der eisigen Oberfläche perfektioniert hatten, kündigte Ken für den nächsten Tag das absolute Highlight ihrer Ausbildung an – die abenteuerliche Reise in den Orbit Genimads wo sie die wahren ungeahnten Fähigkeiten der Flugaggregate ihre Anzüge austesten sollten.
00:32:31: Anna hatte sich schon seit Tagen mit klopfendem Herzen auf diesen Flug gefreut.
00:32:36: Sie waren mit dem Kettenfahrzeug zum riesigen Flugzeughangar gefahren, einer gewaltigen Halle die drei als gewöhnliche Jets getahnte Raumschiffe beherbergte.
00:32:46: Nachdem sie die Schleuse passiert hatten und ausgestiegen waren ließen sie ihre Helmvisiere zunächst noch offen denn die Halle war bereits mit frischer Atemluft geflutet worden.
00:32:57: Über eine schmale metallene Gangwe bestiegen sie schließlich einen der schnittigen Flieger in dem schon ihr Pilot ungeduldig auf sie wartete.
00:33:05: Die folgenden Geschehnisse bewiesen eindeutig, dass dies kein herkömmliches Flugzeug sondern ein hochmodernes Raumschiff war.
00:33:14: Die Luft wurde aus dem Hangar abgepumpt und nach ungefähr zehn Minuten öffnete sich die Decke der Halle geräuschlos woraufhin ihr Fluggerät langsam und stetig nach oben schwebte.
00:33:25: Anna konnte gerade noch erkennen wie sich das schwere Dach der Anlage tief unter ihnen schloss.
00:33:30: dann beschleunigte das Fluggeräd nach irdischen Maßstäben gemessen mit schier unvorstellbaren Werten.
00:33:37: Das absolut Fantastische und für Anna nahezu Unglaubliche war jedoch, dass keinerlei Andruck in den Sitzen spürbar war.
00:33:45: Alles blieb ruhig, leise und vollkommen vibrationsfrei – als stünde die gesamte Welt für einen Moment still, während sie sich mit irrwitziger Geschwindigkeit von Ganymed entfernten.
00:33:56: Damit wurde Anna endgültig klar warum bei ihrer damaligen Entführung die Triebwerke scheinbar abgeschaltet worden waren und danach keinerlei Geräusche mehr zu hören waren.
00:34:06: Es gab in diesem System schlicht keine Vibrationen, keine Reibung und keinen Widerstand.
00:34:12: Anna hatte jedes Zeitgefühl verloren als sie wie gebannt aus dem Fenster starte und zusah, wie sich die zerklüftete Oberfläche Ghanimets unter ihnen zu einer perfekten blau-weißen Kugel formte – die rasend schnell kleiner wurde während ihr Raumschiff elegant in eine stabile Umlaufbahn um den Mond einschwenkte.
00:34:30: Anna macht den Mund zu, es zieht, witzelte Ken der erfahrene ESA Astronaut und unterbrach damit ihre ehrfürchtige Starre.
00:34:39: Er wir befinden uns jetzt ungefähr achtzigtausend Kilometer von Ghanimet entfernt – und wir werden genau hier aussteigen!
00:34:46: Er klärte Ken seinen Schülern mit einer Mischung aus gewohnter Professionalität.
00:34:54: Nach dem obligatorischen Schließen der Helme und dem finalen Check der Anzüge wurde im Fluggastraum die Luft abgepumpt.
00:35:01: Und die schwere Tür öffnete sich direkt in die schwarze, absolute Stille des Weltraums.
00:35:06: Ich fliege jetzt mal ein paar hundert Meter vom Schiff weg und ihr folgt mir dann bitte einzeln.
00:35:12: Ach ja!
00:35:13: Falls jemand ein ernsthaftes Problem bekommt drückt bitte zuerst den Notausknopf.
00:35:19: Damit wird sofort ein automatischer Hilferuf gesendet und der Antrieb abgeschaltet.
00:35:24: Zumindest, wenn ihr nicht gerade ungebremst auf einen Mond oder Planeten zustürzt!
00:35:30: Ihr fliegt dann einfach im freien Fall weiter – ich sammle euch später wieder
00:35:34: ein!"
00:35:35: Schlossken seine Ausführungen ab.
00:35:37: Was darauf hinfolgte waren zwei Stunden voll purem, unbeschwerten Freudentaumel.
00:35:43: Es machte den angehenden Raumfahrern riesigen Spaß alle nur erdenklichen Kunstfiguren zu fliegen, sich gegenseitig spielerisch zu jagen und Purzelbäume in der Schwerelosigkeit zu schlagen bis hin zu einer Geschwindigkeit von drei tausend Kilometern pro Stunde relativ zu ihrem Mutterschiff.
00:36:00: Solange die Energievorräte vorhanden waren hätten die Anzüge theoretisch beliebig weiter beschleunigen können doch Ken hatte aus reinen Sicherheitsgründen ein Limit in die Software programmiert.
00:36:11: Die Anzugrechner verhinderten zudem zuverlässig jede drohende Kollision der überschwänglichen Flugschüler.
00:36:19: Nach ungefähr zwei Stunden gab Ken schließlich das Kommando zum Aufbruch, sie kamen alle wohlbehalten und mit glückstrahlenden Gesichtern wieder in der Station an.
00:36:30: Am Abend bei einer kleinen Abschlussfeier in der Lichtschwele war die Stimmung jedoch eher gedrückt als ausgelassen.
00:36:37: Anna und ihre vier Kollegen waren wehmütig gestimmt Denn sie hatten bereits erfahren, dass ihr intensives gemeinsames Training nun unwiderruflich zu Ende ging.
00:36:47: Ashok, Makiko, Lin und Ludwig sollten ab sofort in ihren eigentlichen fachspezifischen Aufgabengebieten eingearbeitet werden!
00:36:55: Ashok in die ökonomische Planung, Makico in die geplanten politischen Strukturen der zukünftigen terranischen Verfassung, Lin in die umfassenden Informationssysteme.
00:37:08: Sie würden sich von nun an nicht mehr täglich, sondern vielleicht nur noch bei den großen Sitzungen der Vollversammlung sehen können.
00:37:15: Ken, Julia und Anna dagegen sollten nun gemeinsam das Fliegen- und die komplizierten Systeme eines der großen Forschungsschiffe erlernen.
00:37:24: Die Einschulung sollte bereits in vier Tagen beginnen.
00:37:28: Anna hatte jetzt drei Tage frei – drei kostbare Tage um Abschied zu nehmen von der intensiven Zeit des gemeinsamen Lernens und um sich mental auf das nächste noch viel größere Abenteuer vorzubereiten.
00:37:40: Jemand im Hintergrund stellte Musik an, die jedoch kaum hörbar blieb – doch Anna erkannte das Lied sofort!
00:37:47: Good Times Bad Times Von Let's Zeppeln.
00:37:51: Sie stießen ihre Becher leise an nicht aus übermütiger Freude sondern aus tiefem Respekt vor dem Bereits erreichten.
00:37:58: Anna schrieb später am Abend eine kurze Nachricht an Xiao, die sie jedoch letztlich nicht abschicken wollte.
00:38:05: Ich lerne!
00:38:07: Es geht voran...
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