Aufbruch - Kapitel 1 - Nairobi
Shownotes
Das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel und alles beginnt mit einer Feier.
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00:00:00: Kapitel I. Nairobi, sexta-sebtenber, zweitausendsiebenundsechzig.
00:00:05: In der Pizzeria Vulcano hing der Duft von frischem Basilikum geschmolzenen Käse und warmen Brot in der Luft.
00:00:11: Gläser klirrten Stimmen summten im geselligen Grundrauschen Und immer wieder brach irgendwo ein Lachen hervor.
00:00:18: Das flackande Kerzenlicht warf weiche Schatten auf die Gesichter der Gäste.
00:00:22: Kellner eilten mit dampfenden Tellern vorbei Begleitet von den leisen Klängen italienischer Musik.
00:00:28: Zwischen dem Steinofen und der Theke stand der Besitzer, ein kleiner Mann mit grauem Schnurrbad, der jeden Stammgast beim Namen kannte.
00:00:36: Ein Zischen entfuhr dem Ofen wenn ein neuer Pizzateig auf die heiße Steinplatte glitt.
00:00:41: Durch die geöffnete Küchentür wehte das intensive Aroma von geröstetem Knoblauch herüber während in der Ecke einen junger Gitarist versuchte Wohlare so dezent zu spielen dass er die Gespräche nicht übertönte.
00:00:52: Jemand rief nach Chiliöl, ein anderer nach mehr Brot.
00:00:56: Eine Kellnerin balancierte drei Pizzen auf einmal.
00:00:59: Ein Glas rutschte ihr vom Tablett, kippte doch Christian fing es im Vorbeigehen blitzschnell auf.
00:01:04: Leiser Applaus brandete an zwei Tischen auf.
00:01:07: Die Kellnerrin verneigte sich tief und scherzhaft Und schon ging alles wieder in dem gemütlichen Treiben des Abends auf.
00:01:13: Anna Toureille lehnte sie zurück Schwenkte ihr Glas Rotwein und ließ den Blick über die Runde ihrer Freunde schweifen.
00:01:20: Heute war kein Tag für Zurückhaltung dachte sie und empfand tiefe Erleichterung, vermischt mit Stolz.
00:01:30: Zuerst hatte sie Geschichte abgeschlossen – und am XXIII.
00:01:34: Mai hielt sie auch die Promotionsurkunde für Physik in ihren Händen.
00:01:37: Offiziell lautete die Studienbezeichnung nur Physik.
00:01:41: Doch Astrophysik war neben der Quantentopologie ein zusätzlicher Schwerpunkt gewesen — das waren Details, die nun keine Rolle mehr spielten!
00:01:48: Heute war der sexte September, two-tausend-siebenundsechzig Endlich hatte sie nach ihrer Weltreise durch die USA, Südamerika, Europa, China, Japan und Australien – die von der Stiftung finanziert worden war – einen Termin gefunden um mit ihren Freunden die Abschlüsse zu feiern.
00:02:04: In China war sie bei Xiaou eingeladen gewesen, der in den Ferien seine Mutter besuchte.
00:02:10: China war ein weitest faszinierendes Land!
00:02:13: Und Xiaow hatte ihr das Leben sowie Sehenswürdigkeiten gezeigt, die ein gewöhnlicher Tourist niemals finden würde….
00:02:19: Aber was heute zählte, war das Gefühl endlich am Ziel zu sein.
00:02:23: Sie erinnerte sich an lange Nächte im Labor – Das rhythmische Klicken der Teleskopsteuerung, den Geruch von Kaffee und altem Papier in der Bibliothek.
00:02:31: Oft hatte sie im Morgengrauen mit müden Augen den Sonnenaufgang erlebt.
00:02:36: Einmal war sie im Sessel eingeschlafen Und vom Vibrieren des Spektrometers geweckt worden.
00:02:40: Die Assistentin hatte ihr Wortlos eine Decke über die Schultern gelegt.
00:02:44: So fühlte sich Zugehörigkeit an.
00:02:47: Xiaoyu saß neben ihr.
00:02:49: Eigentlich hatte der Medizinstudent aus Hongkong nur ein Semester in Nairobi verbringen wollen, doch dann war er geblieben.
00:02:56: Sein schwarzes Haar fiel ihm locker in die Stirn und wenn er lächelte, schien der Lärm um sie herum für einen Moment zu verstummen.
00:03:02: Anna wusste, dass er gut aussah – doch das war nicht der Grund warum sie ihn mochte!
00:03:07: Es war seine Aufrichtigkeit, seine Beharrlichkeit und die Art wie er stundenlang reden konnte ohne eine Sekunde langweilig zu werden….
00:03:15: Du wirkst heute so glücklich", sagte Xiao und berührte leicht ihre Hand.
00:03:20: Das bin ich auch, erwiderte Anna.
00:03:23: Aber ich spüre den Weinschon, er lachte – und sie liebte dieses warme Aufblitzen in seinen Augen!
00:03:28: Oft fragte sie sich was er in ihr sah?
00:03:31: Anna wusste dass sie keine markellose Schönheit war nicht wie jene Frauen die mit einer eleganten Selbstverständlichkeit ganze Räume in Staunen versetzen konnten.
00:03:40: Sie war von kräftiger Statur, ihre Haut war dunkel, ihre Wangenknochen markant geformt.
00:03:46: Sie trug das stolze Erbe der Massei in sich.
00:03:49: Manche nannten sie hübsch und vielleicht stimmte das sogar.
00:03:52: Doch was sie durchs Leben trug, war weniger ihr Äußeres als vielmehr die Mischung aus unbeugsamem Eigensinn und einer Wärme, die selbst ihre Kritiker nur schwer ignorieren konnten.
00:04:02: Sie drank, lachte und hörte den Freunden zu bis ein Gedanke siehe Durchfuhr – Papa!
00:04:08: Seit Ende März war er tot Lungenkrebs, viel zu früh.
00:04:12: Sie sah ihn am Küchentisch vor sich wie er skeptisch über Xiaoh sprach und von kulturellen Unterschieden redete Und dann als habe er geahnt dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb hatte er gefragt wann sie heiraten würden.
00:04:25: Er wollte die Hochzeit und ihren doppelten Doktortitel noch erleben.
00:04:29: Wie sehr hat er sich für sie über Ihren Doktor in Geschichte gefreut?
00:04:33: Ihren zweiten Erfolg in Physik zu sehen war ihm nicht meer vergönt gewesen.
00:04:38: Ihre Mutter war ihr genommen worden lange bevor sie überhaupt eine Chance gehabt hätte, sie kennen zu lernen.
00:04:44: Nur Wochen nach Annas Geburt ein Autounfall, ein Leben ausgelöscht, bevor es wirklich gelebt war.
00:04:50: Papa war ihr immer alles gewesen – Vater, Mutter, Kritiker und Beschützer.
00:04:55: Nun war nichts mehr von ihm geblieben als Fotos und die Erinnerung.
00:04:59: Anna blindzelte und schluckte den Klos im Hals hinunter.
00:05:03: Heute ist kein Tag für Trauer!
00:05:05: Anna heute wird gefeiert, befahl sie sich Doch ihre Gedanken schweiften erneut ab, hinaus in die Nacht.
00:05:12: Die Welt da draußen schien tiefer und tiefer im Chaos zu versinken.
00:05:16: Der Klimawandel brannte ganze Landstriche nieder, während anderswo fluten ganze Städte verschlangen.
00:05:22: Neue Pandemien zogen wie Geisterzüge über die Kontinente.
00:05:26: Die Nachrichten waren voll von unzähligen kleinen Kriegen um Wasser oder andere Ressourcen... ...und dann die allgegenwärtige künstliche Intelligenz – effizient, klug, erbarmungslos!
00:05:37: Sie machte vieles billiger und schneller, doch sie machte auch Millionen Menschen überflüssig.
00:05:43: Fabriken standen leer, Büro-Türme halten wieder vom Schweigen der Entlassenen.
00:05:48: Massenarbeitslosigkeit war für viele zur neuen Normalität geworden.
00:05:52: Armut und Hoffnungslosigkeit breiteten sich aus wie eine Staubwolke in der Dürre – und doch war ihr eigenes Land zu einer unwahrscheinlichen Oase geworden.
00:06:01: Kenia, das noch vor wenigen Generationen von inneren Konflikten zerrissen galt plötzlich als Musterland des Kontinents.
00:06:08: Die Demokratie war stabil, die Wirtschaft florierte der Umweltschutz war mehr als bloße Rhetorik und der Staat garantierte seinen Bürgern ein bedingungsloses Grundeinkommen schlicht damit niemand hungrig ins Bett gehen musste.
00:06:22: Ein kleines Wunder dachte Anna vielleicht sogar ein Versprechen dass sich die Dinge doch zum besseren wenden konnten.
00:06:30: In Nairobi surten die E-Busse – die alten Matatus fuhren sauberer und die Bugengvelen am Straßenrand blüten so trotzig, als könnten sie die Welt im Alleingang retten.
00:06:39: Sie atmete tief aus, schob die düsteren Gedanken beiseite und klingte sich wieder ins Gespräch ein.
00:06:45: Am anderen Ende des Tisches lachte Christian Kramer so laut auf, dass ein Paar vom Nebentisch herüberschaute.
00:06:51: Der Bauleiter aus Bielefeld war groß, breitschuldrig, dunkelhaarig und immer für einen spontanen Spruch zu haben.
00:06:58: Neben ihm saß Christi Gustave, Annas beste Freundin seit Kindertagen!
00:07:03: Christian und Christi ein ungleiches, aber inniges Paar.
00:07:07: Sie träumte schon lange davon, Lehrerin zu
00:07:09: werden.".
00:07:10: Erzähl doch mal die Sache mit dem Wunderkind", rief Christi.
00:07:14: Ach nein!
00:07:15: Das war doch albern von mir, währte Anna ab.
00:07:18: Doch die neugierigen Blicke von Xearo und Christian entlockten ihr ein Lächeln.
00:07:22: Sie stellte das Glas ab, verschränkte die Hände und begann zu erzählen.
00:07:27: Sie berichtete, wie ihr Vater ihre Begabung früh erkannt hatte und wie sie in der Schule versucht hatte, unsichtbar zu bleiben.
00:07:34: Ihr Vater wollte sie auf eine Schule für Hochbegabte schicken – doch Anna sträubte sich!
00:07:39: Sie wollte nicht von ihm getrennt werden.
00:07:41: Also schrieb sie absichtlich schlechtere Noten um nicht aufzufallen.
00:07:45: Als meine Lehrerin Schwester Mirjam uns einmal im Physikunterricht das archimedische Prinzip erklärte, las ich heimlich in einem Buch über die Relativitätstheorie.
00:07:54: Sie nahm es mir weg und fragte spöttisch, ob ich denn schon von der Photonen-Wage gehört hätte.
00:08:00: Ich sagte nur Ja Schwester Mirjam!
00:08:03: Dann forderte sie mich auf den scheinbaren Widerspruch zwischen der unscherfer Relation und der speziellen Relativitätstheorie zu erklären.
00:08:11: Christian grinste Und?
00:08:13: Was hast du geantwortet?
00:08:15: Anna lachte.
00:08:16: Ich sagte Wenn das Photon das System verlässt verliert es Masse Die Feder zieht die Waage nach oben Die Uhr erfährt eine Zeitdilatation und die Unschärfe steht im Einklang mit Heisenberg.
00:08:28: Meine Lehrerin stürmte wortlos aus dem Klassenzimmer und lief direkt zum Schulleiter, die Runde lachte – alle prosteten ihr zu!
00:08:35: Für einen Moment war die Erinnerung so lebendig wie damals.
00:08:39: Christi wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel.
00:08:42: Ich schwöre ich sehe die arme Frau immer noch laufen.
00:08:45: und was ist dann passiert?
00:08:46: fragte Christian.
00:08:48: Einige Tage später tauchten Leute von der Stiftung Wissen für die Menschheit Bei uns auf.
00:08:53: Irgendwann wurde ich nach Nairobi eingeladen, den Rest kennt ihr.
00:08:58: Was ist das eigentlich für eine Stiftung?
00:09:00: hakte Christiane nach.
00:09:02: Man findet kaum etwas über sie Aber Sie zahlen pünktlich.
00:09:07: Studium Miete Alles.
00:09:09: Morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch bei der Stiftungen.
00:09:13: Mal sehen was diesmal auf mich zukommt.
00:09:15: wenn dein Vorstellingsgesprich schon morgen ist Trinken wir heute besser keinen Grapper, waffxiao ein und hob warnend eine Augenbraue.
00:09:23: Unfug!
00:09:24: Heute stoßen wir an.
00:09:26: Morgen bin ich brav, konterte Anna Und in diesem Moment brachte der Besitzer als hätte er es gehört vier kleine Gläser Limoncello Auf die Doktorin, sagte er.
00:09:37: auf die Doktoren riefen alle im Chor.
00:09:39: Der Abend verging langsam und erfüllt.
00:09:42: Lachen, gläs erklären, Wärme Alles verschmolzt zu einem Gefühl tiefer Geborgenheit.
00:09:48: Draußen vor dem Fenster verkaufte ein Junge gerösteten Mais.
00:09:52: Sein Ruf mischte sich mit dem Fauchen des Ofens.
00:09:55: Ein kurzer Stromausfall ließ die Musik stolpern Die Kerzen flackerten auf, jemand rief Romantik-Modus Und die Band spielte einfach unbeirrt weiter.
00:10:04: Später verabschiedeten sie sich von Christi und Christian und fuhren zur Annas Wohnung.
00:10:08: Die Straße roch nach Nassem Asphalt.
00:10:11: Ein kurzar Schauer hatte die drückende Hitze vertrieben.
00:10:14: Der Balkon lag still im Dunkeln, nur Grillen zirbten leise in der kühlen Luft.
00:10:19: Über ihnen wölbte sich ein Sternenklarer Himmel – die Milchstraße breitete sich als silpriger Schleier aus.
00:10:25: Am südlichen Horizont hing das Kreuz des Südens flach über der Stadt und im Westen verschwand das Sternbildskorpion langsam hinter den Dächern.
00:10:34: Als eine Stärnschnuppe über den Himmel zog, sagte Xiao «Wünsch dir was!
00:10:38: Anna schwieg» und blickte hinauf zu den funkelnden Lichtern.
00:10:41: Ich würde gerne mit dir zu den Sternen reisen", flüsterte Xiao.
00:10:46: Und doch habe ich das Gefühl, dort oben ist kein Platz für mich, Anna legte ihre Hand auf seine.
00:10:51: Versprichst du mir morgen?
00:10:53: er stockte.
00:10:54: Versprech' mir dass du vorsichtig bist!
00:10:57: Mir kommt dein Termin Morgen seltsam vor.
00:10:59: sie nickte.
00:11:00: Ich passe schon auf eine halbe Lüge.
00:11:02: Das wusste sie nur zugut.
00:11:04: Ihre Neugier war oft stärker als ihre Vorsicht.
00:11:06: Hand in hand saßen Sie noch lange da.
00:11:09: Sie sprachen über Belangloses, die neue Cafébar an der Ecke, Christis Bewerbung an einer Abendschule, Christians ewigen Ärger mit den Bauvorschriften.
00:11:17: Sie stritten sich kurz darüber ob Ananas auf Pizza ein Verbrechen sei, lachten und gaben schließlich beide nach.
00:11:24: Anna spürte eine tiefe Zufriedenheit in sich und gleichzeitig eine leise unerklärliche Unruhe als würde irgendetwas in ihr rufen.
00:11:32: Ihr Blick wanderte wieder nach oben zur Milchstraße.
00:11:37: dass dieser Sternenhimmel ihr mehr bedeuten würde, als sie sich vorstellen konnte.
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